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KADAVAR Rough Times

2017

Düster und selbstverortet im Schatten der Siebziger zeigen KADAVAR auf ROUGH TIMES eine bewusste Rückkehr zur klanglichen Härte. Die Band schärft ihre Retro-Ästhetik mit rauer Produktion und politischem Unterton. Das vierte Studioalbum ist kein nostalgischer Reflex, sondern eine strategische Selbstpositionierung innerhalb des klassischen Hard Rock.

Kadavar treffen auf „Rough Times“ eine klare Entscheidung: Rückzug ins Grobkörnige. Nach dem vergleichsweise stromlinienförmigen Vorgänger wird der Sound wieder kantiger, dichter, weniger auf charttaugliche Glätte bedacht. Diese ästhetische Verschiebung ist kein Zufall, sondern eine bewusste Selbstverortung im Koordinatensystem klassischer Hard-Rock-Referenzen. Fuzz, analoge Wärme, eine rhythmische Erdung, die an frühe Black Sabbath erinnert, bilden das Fundament. Kadavar setzen nicht auf Fortschritt im Sinne technischer Erweiterung, sondern auf Verdichtung ihrer Herkunft.

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Der Titeltrack „Rough Times“ etabliert diese Haltung mit einer Gitarrenwand, die weniger auf Virtuosität als auf Druck setzt. „Into The Wormhole“ arbeitet mit hypnotischer Repetition, der Refrain kreist eher, als dass er sich öffnet. Solche strukturellen Entscheidungen zeigen, dass es der Band nicht um Hooks im modernen Sinn geht, sondern um Beharrlichkeit als ästhetisches Statement. „Words Of Evil“ legt die Referenz zu „Paranoid“ so offen, dass sie fast zur Provokation wird. Die Nähe ist kalkuliert, sie fungiert als Bekenntnis zu einer Traditionslinie, die hier nicht zitiert, sondern verteidigt wird.

Das Cover mit dem Totenschädel über einem entblößten Körper verstärkt diese Selbstinszenierung als Band im Widerstand gegen Gegenwartsglanz. Es spiegelt keine individuelle Intimität, sondern eine theatralische Überzeichnung von Vergänglichkeit, die sich im rauen Klangbild materialisiert. Die Pose wirkt bewusst artifiziell, passend zu einer Musik, die Authentizität über stilistische Reinheit definiert.

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„Tribulation Nation“ treibt das Konzept in Richtung Spacerock, ohne den erdigen Kern zu verlassen. „The Lost Child“ bringt Orgelklänge ins Spiel, die den Raum erweitern, während „You Found The Best In Me“ melodischer ausfällt, fast versöhnlich. Selbst das experimentell angelegte „A L’ombre Du Temps“ bleibt innerhalb der selbst gesetzten Grenzen. Kadavar erlauben sich Variation, keine Öffnung.

Diese Strategie ist überzeugend, weil sie konsistent umgesetzt wird. Die Produktion im eigenen Studio verleiht dem Album eine kontrollierte Rohheit, die nicht zufällig wirkt. Gleichzeitig bleibt die Band innerhalb eines klar umrissenen historischen Rahmens. „Rough Times“ ist daher weniger eine Erweiterung als eine Festigung der eigenen Position. Kadavar entscheiden sich gegen zeitgenössische Anschlussfähigkeit und für die konsequente Pflege eines Klangideals, das sie weiter präzisieren, ohne es grundlegend zu verschieben.

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91
collage
2017
Rough Times
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Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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