Frankie Rose – Herein Wild

‚ Herein Wild ‚ nennt sich der Nachfolger ihres Debüts ‚ Interstellar ‚ aus dem Jahr 2012 und ist in der Grundstimmung dunkler – aber dennoch nicht minder melodischer. Tatsächlich hat Frankie Rose Ihren eigenen Pop-Appeal mehr in den Vordergrund gerückt und eröffnet das neue Werk mit einem stampfenden Garage-Rock Kostüm, unter dem das rosarote Pop-Punk Outfit der Dum Dum Girls steckt. Natürlich denkt man unweigerlich auch an die Vivian Girls und Crystal Stilts. Aber was soll’s. Wir erfreuen uns an der neuen Bodenständigkeit, die in der berauschenden Liebe zu ‚ Instellar ‚ in ungewisse Weiten verloren ging. Frankie Rose präsentiert uns eine erstklassig produzierte und arrangierte Platte (perfekt für den Beginn des Herbstes) und lässt uns dementsprechend an exquisiten Popsongs teilhaben, die mit den hellen und zarten Gesängen einen wundervollen Wegbegleiter darstellen. ‚ Sorrow ‚ schnörkelt dunkle Texte um sprudelnden Retro-Pop, während scheinbar zufällig Inhalt und Form sich den eigenen Ambitionen klar werden und in einem kraftvollen Refrain enden – der irgendwie auch von The Cure stammen könnte. ‚ Into Blue ‚ ist zum Träumen da. Es entfaltet sich als langsame, traurige Geschichte und überhaupt wird es in ‚ Herein Wild ‚ ruhiger. Streicher, Klavier und Glockenspiel, dazu die sonnenverwöhnten Synths und ein reibungsloser Aufstieg, bei dem luxuriösen Schnörkel sparsam gesetzt wurden. Vielleicht ist sogar ‚ Minor Times ‚ der beste Song von Frankie Rose seit Anbeginn Ihrer Solokarriere. Eine köstliche Nummer, deren Umgebungstemperatur im Bereich von Fleetwood Mac zu finden ist. ‚ Question/Reason ‚ ist als kleiner Makel zu simpel gestrickt und wird höchstens den Gedanken des Titels gerecht. In ‚ Heaven ‚ drehen sich die spiralförmigen Gitarren in die aufregenden Rhythmen und klopfen gemeinsam mit den flirrenden Synths einen unheimlichen Nachhaltigkeitswert in unsere Köpfe. ‚ Street Of Dreams ‚ ist ein gelungenes Cover von The Damned und fügt sich ästhetisch in ‚ Herein Wild ‚ ein. ‚ Requiem ‚ als abschließendes Stück nimmt einen entwaffenden Blick auf die einsame Zukunft und blickt der Aussicht alleine zu sterben dennoch bestimmend entgegen: “When I am old, I’ll be alone again and soon/ Listening to my own voice by the sea/ I’ll be okay, I’ve killed those demons anyway/ And it’s so far away.” Die Stimme von Rose schwebt tief unter der akustischen Gitarre hindurch, in weiter Ferne gedeiht ein Horn in rasanter Geschwindigkeit und plötzlich befinden wir uns schon am Rande des Meeres. “I’m afraid hell and heaven are the same,” singt Rose. “In the end things fall apart.” Es ist kein bitteres Ende, nur eine stille Resignation, ein leiser Neubeginn. Schlussendlich bekommen wir von einer sich rasch entwickelnden Künstlerin einen echten Leckerbissen aufgetischt und dieser gilt wohl schon jetzt völlig zurecht als einer der inspirierenden Augenblicke des Jahres 2013.