Vince Staples – Vince Staples

Mit etwa 20 Minuten ist es das gleichnamige Album von VINCENT STAPLES ein ganz anderes Biest als die aufgeblähten Projekte, die viele KünstlerInnen mit zunehmender Regelmäßigkeit veröffentlichen.

Der Rapper sagte vorab, dass das Album sein bisher persönlichstes ist, daher der Titel; Dieses Mal werden die Zwischenspiele nicht von seinen Rapperkollegen geliefert, sondern von seiner Mutter, die über ihre Wutprobleme und eine alte Freundin spricht, die die düstere Geschichte einer Party erzählt, die Staples glücklicherweise ablehnte und letztlich in blutiger Gewalt endete. In der Vergangenheit haben seine Texte seine schwierige Erziehung im kalifornischen North Long Beach kaum gescheut, aber hier scheint er davon verzehrt. „When I see my fans, I’m too paranoid to shake they hands/Clutching on the blam“, erzählt er auf „Sundown Town“, während „Law of Averages“ eine Litanei des Misstrauens ausstrahlt. 

Er ist extrem gut darin, Ersteres in einem sachlichen, gesprächigen Ton zu zeichnen, der betont, dass das, was er beschreibt, nicht außergewöhnlich ist, aber jeden Tag – „don’t get murdered“ am Anfang von „The Shining“ murmelt, als ob er dich daran erinnern möchte, direkt auf dem Heimweg alle Einkäufe zu erledigen. Auf „Taking Trips“ klagt er: “Can’t even hit the beach without my heat, it’s in my trunks.” Auf anderen Alben hätte Vince diese Momente vielleicht als Komödie eingerahmt, aber er liefert diese Zeilen in einem verlassenen, nüchternen Ton. Die durch seinen Erfolg verstärkte Paranoia von Staples ist die Kraft, die seine gleichnamige Platte antreibt. Er präsentiert es als etwas, das Freude stiehlt und Anlässe verdirbt, die unbeschwert sein sollten.

Er war das Gesicht von Sprite-Kampagnen und hat eine bevorstehende Netflix-Show, aber der Tod und verfallende Erinnerungen lauern an jeder Ecke. Den Unterschied zwischen Echtheit und Fälschung herauszuarbeiten ist schwer genug, wenn man nicht berühmt ist, aber die Paranoia bleibt in seinem Hinterkopf. Auf „Are You With That?“ erinnert sich Vince an eine Kindheit mit Freunden, die jetzt „under the ground“ sind, bevor er uns mit einer urkomisch unverblümten Forderung entwaffnet: „Fill this voids or fill my bank.“ Er ist immer noch ein Klugscheißer, der in der Welt eines bösen Mannes agiert, wo Geld sowohl Motivation als auch Balsam ist. 

Es ist nicht leicht, ein Album über sich selbst zu schreiben, ohne egoistisch zu wirken, und es ist auch nicht leicht, eines zu schreiben, das Themen von Bandengewalt und Armut berührt, ohne in Prahlerei oder Morbidität zu verfallen. Auf diesem Album hat Vince Staples beides geschafft. Vince und Kenny Beats haben eine gemeinsame Chemie gefunden und arbeiten lieber zusammen, als sich gegenseitig zu bekämpfen. „Vince Staples“ ist von Natur aus ein kleines Album, aber ein Beweis dafür, dass auch in den ruhigsten Momenten des Duos Feuer zu finden ist.

9.6