GROUPER Ruins
Das neue Album von GROUPER ist ein Dokument. Eine Anspielung auf den täglichen Spaziergang am Strand. Gescheiterte Strukturen. Leben in den Überresten der Liebe.
Das neue Album „Ruins“ entstand bereits 2011 in Aljezur, Portugal, in einer Residenz, die von Galeria Zé dos Bois eingerichtet wurde. Liz Harris hat dort alles bis auf den letzten Song aufgenommen, dieser entstand 2004 bei ihrer Mutter. „Iʼm still surprised by what I wound up with. It was the first time Iʼd sat still for a few years; processed a lot of political anger and emotional garbage. Recorded pretty simply, with a portable 4-track ,Sony stereo mic and an upright piano. When I wasnʼt recording songs I was hiking several miles to the beach. The path wound through the ruins of several old estates and a small village.“
Es ist daher auch eine Überraschung, dass Harris ihren Sound und ihre Herangehensweise auf „Ruins“ komplett dekonstruiert. In letzter Zeit tauchte Harris für jede neue Veröffentlichung in ihre jüngste Vergangenheit ein. „The Man Who Died In His Boat“ sammelte Outtakes aus denselben Sessions, die auch „Dragging A Dead Deer“ enthielten – aber als eigenständiges Album wunderbar zusammengehörten. „Ruins“ ist eines dieser Alben, das so klingt, als wäre es einfach und erschwinglich gemacht worden – aber es ist auch die Art von Album, zu der nur sehr wenige Künstler den Mut oder die Kühnheit aufbringen würden.
Es ist auf die nackten Knochen reduziert und klingt verletzlich und rein. Während Harris oft Effekte, weißes Rauschen und Rückkopplungen verwendet hat, um die Menschlichkeit ihrer Musik zu überwältigen, ist sie hier bloßgestellt und schmucklos. Nur „Made of Air“, das 11-minütige Finale des Albums, weist eine wirkliche Ähnlichkeit mit Harris‘ Ambient-Drone-Arbeit auf und wurde vor einem ganzen Jahrzehnt geschrieben und aufgenommen, sieben Jahre vor dem Rest des Albums. „Made of Air“, führt uns tiefer in die Vergangenheit von Grouper und beendet das Album mit einer Erinnerung daran, woher Grouper gekommen ist und wohin sie möglicherweise noch gehen muss.
„Ruins“ ist etwas ganz Neues im Grouper-Katalog, denn während Harris’ Songs oft wie Artefakte aus einer anderen Zeit klingen, an die man sich durch Träume erinnert, ist dies das erste Mal, dass Harris Interesse daran zeigt, die Ruinen ihrer eigenen Vergangenheit explizit zu untersuchen. Es ist sowohl eine faszinierende neue Richtung als auch eine herzzerreißende Erinnerung an eine Zeit, die jetzt in die Vergangenheit absinkt.
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