Geese – Projector

Die Art und Weise, wie GEESE zwischen Angst und Glückseligkeit oszillieren, ihre zappelige Seite und ihre verträumte Seite kombinieren, lässt Musik entstehen, die gleichzeitig treibend und desorientiert ist.

Geese sind eine beeindruckende Band, Punkt. Aber ist „Projector“ das Ergebnis erstaunlicher Talente, die auf unheimliche Inspiration treffen, oder zeigt es lediglich was passiert, wenn Jugendliche in ihren prägenden Jahren ihren scheinbar unbegrenzten Enthusiasmus und ihre Aufmerksamkeit einer einzigartigen Obsession widmen? „Projector“ liefert dazu nur eine begrenzte Auflösung. Klar, in dem Alter ist die persönliche Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen und so sprudelt auch das Debüt von Geese vor unaufhaltsamen Ideen über, ist lebendig und zeigt mit all der reinen Energie und dem Erfindungsreichtum eine Band, die für große Dinge wie gemacht scheint. „Projector“ entstand in einem umgebauten Kellerstudio, das ständig Gefahr läuft, Nachbarn zu verärgern, aber dieser rohe, raffinierte Sound sorgt auch hauptsächlich für den Reiz.

„Fantasies/Survival“ beginnt wie ein lustiges Riff von den Strokes der Anfangstage, bis es in die Stratosphäre rast und seine heruntergekommene schwarze Lederjacke wie Superman’s Umhang trägt. „First World Warrior“ erstreckt sich mit einer geduldigen, großartigen Raumräumlichkeit, die in scharfem Kontrast zu dem kantigen, überhitzten Tumult von Songs wie dem eröffnenden Stück „Rain Dance“ steht. Das Herzstück des Albums ist die sechsminütige Single „Disco“, die von einem stürmischen No-Wave-Stampfen bis hin zu Gitarrensurrealismus übergeht – wie Sänger Cameron Winter eine raue Nacht im Club beschreibt, die sich wie eine alptraumhafte Vision der Vergangenheit der Strokes entfaltet: “You threw your drink on me as I was leaning over/But I still asked you if you wanted to leave/I talk to the mirror like I’m trying to start a fight.” 

Keine schlechte Metapher für das Erwachsenwerden in der Horror-Show-Realität von 2021. Es gibt sicherlich Platz für weitere Namen in der avantgardistischen Post-Punk-Revolution. Allein an diesen Ufern haben wir gesehen, wie Black Midi und Black Country, New Road gedeihen; für diese Seelenverwandten, die ihr eigenes Kapitel schreiben, wurde ein klarer Weg geebnet.

7.9