Timber Timbre – Creep On Creepin‘ On

Was war das heute nur für ein anstrengender und kräfteraubender Tag. Man möchte an solchen Tagen nicht gerne alleine sein. Die Konzentration wird am späten Nachmittag endgültig durch die Kniescheiben gedrückt und während ich in Gedanken mit dem Namen Timber Timbre spiele, erscheint mir Timmy aus der Serie South Park vor dem geistigen Auge. War es die Ähnlichkeit mit dem Namen, oder ist schlicht und ergreifend die Zeit für mich gekommen, den Tag zu beenden? Ich vermute wohl. Die geistigen Ergüsse spielen mit besorgniserregenden Farben und Dämpfen, Rauch steigt in die Luft, die emotionale Last stampft währenddessen meine Gedanken aus allen Seiten und bevor es das endgültige Aus für den Tag bedeutet, fasse ich meinen letzten verstümmelten Willen im Genick und drücke diesen samt meiner hoffentlichen Rettung in das Laufwerk: ‚ Creep On, Creepin‘ On ‚ – und dazu ein Stoßgebet in alle Himmelsrichtungen. Danach wird es Dunkel um mich herum…

Ohne Hilfe wäre dieser Tag definitiv ohne meine aktive Beteiligung vorübergezogen. Keine Frage. Doch so durchzieht plötzlich eine magische Stimmung, düster und ergreifend zugleich, mein inneres Bewusstsein malt einen kleinen weißen Lichtpunkt an das nahe Ende des Horizonts und zeigt mir mit erhobener Hand mich wieder aufzurichten. Kaum zu glauben aber nach leichten Unsicherheiten stehe ich wieder auf meinen Füßen und was dafür verantwortlich erscheint, ist der Opener ‚ Bad Ritual ‚ aus dem zweiten Werk der drei Bandmitglieder und Multiinstrumentalisten Taylor Kirk, Mika Posen und Simon Trottier. Unglaublich wie mich das vor einer knappen halben Stunde zu neuer Motivation verleiten konnte. Das Mittel dafür hört auf den Namen gebieterisch. Es besteht praktisch keine Chance sich diesem Sound auf ‚ Creep On, Creepin‘ On ‚ in irgendeiner Art und Weise zu entziehen. Im Gegenteil, es wird bereits nach kurzer Zeit eine Sucht, eine Sucht die aufgrund Ihrer unzähligen Überraschungen, welche auf dem weichen und subtilen Weg zu finden sind, kaum wieder abgestreift werden kann.

Ich für meinen Fall will das aber auch nicht und setze einen zweiten Schritt in das Werk und stoße so auf den verstörend aussehenden Song ‚ Obelisk ‚, der kein langes Geheimnis aus seiner Idee macht, mich in sehr kleine und mundgerechte Teile zu zerhacken. Ob ich wohl schmecken werde? Beurteilt man während dem Titeltrack ‚ Creep On, Creepin‘ On ‚ dann muss diese Frage leider mit einem Ja beantwortet werden. Die Wogen glätten sich, die Melodien geleitet durch den Gesang von Taylor Kirk und ein wenig erinnert diese besinnliche Atmosphäre an die Musik von Grizzly Bear. Aber weil gerade Vergleiche angesprochen werden, Timber Timbre fanden Ihren Song so gut, dass mit ‚ Lonesome Hunter ‚ eine fast gleichklingende zweite Version aufgenommen wurde. Aber liebe Herrschaften, das hätte nicht sein müssen.

Ansonsten bleibt auch das zweite Werk schwer in der Klassifizierung und versteht sich am Besten auf den experimentellen Alternative-Folk und mischen dazu ein wenig den 50er Jahre Rockabilly, aber auch ein bisschen sommerlichen Motwon Pop-Sound im Stück ‚ Black Water ‚, das zugleich Ihre längste Nummer auf dem Album ist. Ja es ist ein mitreißender Beweis für die Macht der Obsession. Intensiv, spannend und wundervoll befreiend. Ich kann mich erinnern heute vor dem vorzeitigen Aus gestanden zu haben – ich muss selbst noch einmal lesen aus welchen Gründen ich das nur geschrieben habe…