Faye Webster – I Know I’m Funny haha

I KNOW I’M FUNNY ist die nahtlose Verschmelzung von urbanem Country, warmem 70er Jahre Soul, mutigem Classic Rock und introspektivem Indie Pop, während sich FAYE WEBSTER einmal mehr mit Leichtigkeit jeglicher Kategorisierung entzieht.

Natürlich sind Unbekümmertheit und Selbstironie unter normalen Umständen schön und gut, aber was passiert, wenn man großteils total verrückt ist? Die Antworten liegen in „I Know I’m Funny haha“, Webster’s vierter, geradlinigster Veröffentlichung. „I didn’t know that I was capable of being happy right now / But you showed me how“, gurrt sie ohne jede Spur von Ironie auf „In A Good Way“ und versucht im Titelsong verzweifelt, die Familie ihres Partners beim Abendessen zu beeindrucken. Trockene Selbstironie und bissiger Witz sind immer noch fest in Webster’s Geschichten verankert („A Dream With A Baseball Player“ beschreibt ihre Teenagerschwärmerei für den Außenfeldspieler Ronald Acuña Jr. von Atlanta Braves), aber insgesamt ist hier ein Maß an Ehrlichkeit im Spiel, das sie vielleicht früher als alarmierend empfunden hätte.

Auf ihrem vierten Album schwebt jeder Moment mit der gleichen bedeutungslosen Geschwindigkeit vorbei, die Luft so dick und feucht, dass Melodien nicht landen, sondern langsam verschwinden. In der Welt von Webster’s räkeligem Indie Country und schaukelnden Soul sind Komödie und Tragödie nicht zu unterscheiden. Aber weil Webster eine so weise und interessante Texterin ist und weil sie ihre Lieder mit Sätzen aus fünf Wörtern würzt, die einen ganzen Roman darstellen könnten, gibt es so viel mehr hinter „I Know I’m Funny haha“, als der blasse Titel vermuten lässt. Szenen und Gefühle werden so einfach und nüchtern wiedergegeben, dass es manchmal so ist, als würde Webster das Protokoll eines Meetings nachsingen. 

Aus guten Tagen werden schlechte und wieder gute – sie weint auf eine gute Art, sie lacht, weil sie gerade verletzt wurde – und ehrlich, wer kann den Unterschied hier noch erkennen? Die Platte versinkt dabei auch nie in einem Klagelied oder klingt kraftlos und blutarm. Sie ist reichhaltig, total bekifft und einfach nur schön. Webster ist eine Attentäterin, die mit etwas vernichtend Lustigem oder total Verheerendem aus dem Schatten springt. Und weil dieses Album mit einer Hängematte und einer warmen Brise vorverpackt ist, ist es schwer, etwas anderes zu tun, als zu lächeln und sich diesen herrlichen Songs voll und ganz hinzugeben.

9.0