Camera Obscura – My Maudlin Career

Manchmal entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Zuneigung, die rein auf Sympathie des Gegenübers beruht. So geschehen im Fall von Camera Obscura, einer Gruppe aus Schottland die wir seit unzähligen Jahren kennen und Ihren Anfang mit dem Debüt ‚ Biggest Bluest Hi Fi ‚ nahm. Durch einen spontanen Gang durch die Erinnerungen müsste es im Jahr 2001 gewesen sein, als auf dem Label Andmoresound dieses gefühlvolle Meisterwerk mit Herz und Tränen auf den Wimpern an die Öffentlichkeit gelangte. Songs die man einfach gerne haben musste. Gefüllt mit allerlei Gewürzen, erstaunlich süßen und mundigen Gesang, einem sanften Orgelspiel, Händeklatschen und basierend auf den klassischen Indie-Pop-Akkorden. Melodien zum dahin schmelzen, Melodien die Bestens auf sämtliche Compilations passen würden und den weiteren Weg für Camera Obscura ebneten. Doch wie bereits angesprochen, der Weg sollte steinig verlaufen. Die zweite Platte ‚ Underachievers Please Try Harder ‚ erschien im Jahr darauf und 2004 folgte die Neuauflage des Debüts. Doch richtig bekannt wurde die Band erst zwei Jahre später mit der dritten Platte ‚ Let’s Go Out Of This Country ‚ und zehn neuen Songs. Danach stand erstmal ein Wechsel auf dem Plan: Elefant, Ihr langjähriges Label, wurde durch 4AD ersetzt. Der einfache Grund dürfte der Erfolg gewesen sein, die Auflage und Nachfrage stieg und der internationale Vertrieb wurde dementsprechend fast zu einer Pflicht. Und so kamen auch wir hierzulande in den Genuss Ihrer früheren Platten, auf die es bis dahin zu warten galt. Das aktuelle Werk heißt ‚ My Maudlin Career ‚ und Fans der ersten Stunde dürfen an dieser Stelle einmal tief durchatmen: Der Labelwechsel hat am Sound nichts verändert. Es träumen die transzendenten Schönheiten und Emotionen in kleinen Momenten voller Sehnsüchte und mehrschichtige Produktionen im beruhigenden Mid-Tempo. Sie spielen sich durch betörende und dramatische Gesänge. Gesänge die sich wie ein großer Reisebericht voller Traurigkeit und Enttäuschung entfalten. Sie wühlen sich durch Einzelheiten, zwängen sich in dunkle Ecken, beweisen Mut, Ironie in Sätzen wie „This maudlin career has come to an end/ I don’t want to be sad again.“, und zeigen in all der Pracht die konfessionelle Schriftstellerin dahinter: Tracyanne Campbell. ‚ My Maudlin Career ‚ verknüpft klangliche Ähnlichkeiten und Verbindungen zu den früheren Camera Obscura Werken und zeigen die Entwicklung zu einer erwachsenen Band, die schon lange Ihre Herkunft aus dem Lo-Fi Bereich verlassen konnte. Der Schwerpunkt liegt nun auf klassisch handwerklich klingende Lieder in verschiedenen westlichen Pop-Idiomen, unter Beibehaltung Ihrer einstigen Spuren. Sie spielen Musik, die am Liebten einmal ganz fest geknuddelt werden möchte. Musik aus den 50er Jahren, die in der heutigen Zeit nicht jünger aussehen könnte und den Charme eines jungen Mädchens versprühen. ‚ My Maudlin Career ‚ ist stark geprägt von widersprüchlichen Persönlichkeitsmerkmalen. Auf der einen Seite ist Sie eine hoffnungslose Romantikern. Aber auf der anderen Seite ist Sie sehr vorsichtig und etwas pessimistisch. Diese konträren Impulse schaffen schlussendlich die tragisch schönen Situationen in Ihren Liedern, die wir am Ende so fest in unser Herz geschlossen haben.