Emika – Falling In Love With Sadness

Nach „Melanfonie“, einer großen Symphonie, die in Zusammenarbeit mit dem Prager 50-köpfigen Philharmonic Orchestra entstanden ist, präsentiert Emika uns nun das neue Soloalbum „Falling In Love with Sadness“, das wie aus den vergangenen Jahren gewohnt, in die wunderschönen Farben der eigenen Katharsis eintaucht. Zieht man Vergleiche zum Debüt aus dem fernen Jahr 2011, dann fällt auf, es fehlt die markante Kombination aus Bass und Klavier. Die neuen Songs sind wesentlich geradliniger unterwegs und verzichten auf Versteckspielerei. Bedrohliche Ungetüme, die sich über die Minuten hin zu einer spannungsgeladenen, klaustrophobischen Atmosphäre entluden, sind Geschichte.

„Falling in Love With Sadness“ zieren im Jahr 2018 bittersüße, melancholische und optimistische Klänge. Mit dem Zusammenspiel unzähliger Genres, die sowohl rhythmisch als auch melodisch zwischen hallenden, üppigen Synth-Pop-Hooks auf „Escape“ und dem Soul-Electro des Titeltracks ineinandergreifen, fehlt den Songs leider meist der Spannungsbogen. Es passiert über die 49 Minuten zu wenig. Die Qualität Ihrer neuen Songs ist unabhängig davon ungebrochen hoch, aber für mich persönlich bleibt als Höhepunkt lediglich „Close“ im Gehörgang liegen. Hier zeichnet sich das Album durch die hauchigen, zischenden und schwülstigen Töne von Emika’s närrischer, vokaler Ästhetik besonders aus und navigiert unmissverständlich durch das mürrische Getümmel der Misanthropie.

Man kann natürlich auch von der anderen Seite auf dieses neue Album blicken und argumentieren: Die Intensität des Albums wird sich nicht mehr als zu groß für einige Zuhörer erweisen, da die schattigen, industriellen Äußerlichkeiten abgestreift wurden und Emika die wenigen Lichtspalten zu einer offenen lichtdurchfluteten Waldlichtung umfunktioniert hat. „Falling in Love With Sadness“ wirkt dadurch sehr einladend und freundlich. Insgesamt für mich nicht der große Wurf, aber eine interessante neue Seite der Ema Jolly, an der auch ich über weite Strecken Gefallen finde.

7.2