Emika – Dva

So kennen wir den Sommer: wir denken an Festivals, an die vielen schönen Tage in diesen Monaten, an Menschen die sich in der strahlenden Sonne amüsieren, ein Bier trinken und einfach nur Spaß haben. Der Geruch von gegrilltem Fleisch liegt uns in der Nase und während der brütenden Atmosphäre schleicht sich plötzlich eine durchdringende Stimme an unsere Ohren. Begleitet wird die uns dargebotene tschechische Opernsängerin Michaela Šrůmová von einer herrlich orchestralischen Schwellung, die mit 28 Streichern aufwartet und uns damit ein ziemlich kühnes Eröffnungsstück präsentiert. Dahinter versteckt sich Emika, die uns in der Zwischenzeit zurück in die Wohnung führt, die Jalousien herunter lässt, das Licht dimmt, im Anschluss die Bettdecke hochzieht und uns dort die dunkle Schönheit mit Namen ‚ DVA ‚ vorstellt. Der Sommer ist damit restlos in Vergessenheit geraten. ‚ Young Minds ‚ taucht dann mit uns in ein Bass-lastiges Elektro-und Synthie-Pop Gemisch, dazu in Hall gehüllte Gesänge, stampfende Beats und launische, retro-futuristische Verzierungen. Ein genial inspiriertes und brilliant ausgedrücktes Wechselspiel zwischen Freiheit und Unterdrückung, sei es politisch, sexuell oder einfach nur Kunst. Das ist ‚ DVA ‚ und zugleich auch eine Reise, die mit ‚ She Beats ‚ Ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Impulsierende Staccato Synths, dazu die grollenden Dubstep-Bässe und eine erstickende Dunkelheit bleiben ungeheuerlich eng gewickelt bis zum endgültigen Zusammenbruch. ‚ Filters ‚ ist dazwischen eine unerträglich traurige, gefühlvolle und wundervoll vorgetragene Ballade. „This album is not industry made music, it is my raw uncompromised art. It’s a rebel diva record,“ so Emika und dem kann man letztlich nur uneingeschränkt zustimmen. ‚ Sing To Me ‚ heiratet ein stotterndes Piano-Sample, gelagert über schwermütige Beats und übergreifende Atmosphären zwischen neuen, bisher ungehörten Sounds und klassischen Elementen. Erneut von orchestralischen Melodien in ‚ Dem Worlds ‚ gefangen, rückt in diesen Minuten das zweite Album von Emika in eine leicht bedrückende, aber auch hoffnungsvolle Atmosphäre – wenngleich sich schon das nachfolgende ‚ Primary Colours ‚ von den imaginären Einschränkungen befreit und in Tänze aus purer Emotion und Leidenschaft versinkt. ‚ Wicked Game ‚ kennen wir im Original von Chris Isaak. Einer der meist gecoverten Songs, gibt es dementsprechend nur wenige Möglichkeiten daraus noch originelle Nachbildungen zu fertigen. Zwar fügt sich hier die Version von Emika bestens zwischen den Tracks ein, aber bei fünfzehn an der Zahl hätte die Nummer besser auf eine B-Seite gepasst. Als nächste Single könnte ich mir dagegen sehr gut ‚ Fight For Your Love ‚ oder ‚ Centuries ‚ vorstellen. Knackige Rhythmen, auftrumpfende Synths und eine zielstrebige Linie sorgen für einen sehr einprägsamen Eindruck nach dem ersten Durchlauf. Schlussendlich ist ‚ DVA ‚ mit Abzug der bereits bekannten Nummern aus der EP und dem Cover ein reichhaltiges und faszinierendes Album geworden, die übergreifende Dunkelheit ist allgegenwärtig, die zeitgenössische elektronische Musik weit entfernt und mit ‚ Mouth To Mouth ‚ findet sich darin sogar noch Post-Dubsteap á la James Blake oder Jamie Woon. Uneingeschränkte Kaufempfehlung. Selten war Genre-übergreifend ein Zweitwerk so nahe der Perfektion gelegen wie dieses hier…