EMIKA’s CHAOS STAR entfaltet algorithmische Ambientwelten zwischen unheimlicher Tiefe und leuchtender Schönheit in einem einstündigen elektronischen Klanguniversum.
Als EMIKA am 1. Mai 2020 „Chaos Star“ über ihr eigenes Label Emika Records veröffentlichte, war es zunächst nur für 24 Stunden auf Bandcamp erhältlich – ein bewusst flüchtiger Moment, passend zum Konzept dieses Werkes. Die britisch-tschechische Künstlerin, längst in Berlin verwurzelt, hat ihre Karriere als klassisch ausgebildete Pianistin, Sounddesignerin bei Native Instruments und Pionierin einer ganz eigenen Mischung aus Elektronik, Neoklassik und experimenteller Klangkunst aufgebaut. Mit „Chaos Star“ geht sie radikal einen Schritt weiter: 17 Tracks, schlicht „Intuition 001“ bis „Intuition 017“ betitelt, ergeben eine rund 69 Minuten lange Reise in generative Ambient-Architekturen, die vollständig aus algorithmisch gesteuerten Synthesizern entstehen.
EMIKA beschreibt den Entstehungsprozess als das Spiel mit Chaos – vergleichbar mit Naturphänomenen wie Regen oder Sturm, nur dass hier jeder Impuls synthetisch ist und in einer elektronischen Dimension existiert. In ihrer Softwarewelt kann sie das Unvorhersehbare steuern, in Muster lenken und dadurch in Schönheit verwandeln. Dieses Prinzip prägt die Dramaturgie des Albums: Kürzere, dichte Stücke wie „Intuition 001“ oder „Intuition 003“ wirken wie fragile Klangskizzen, während ausgedehnte Kompositionen wie „Intuition 016“ über acht Minuten hinweg ein ganzes akustisches Ökosystem aufbauen.
Das Cover, gestaltet von der Berliner Visual-Künstlerin Ployz, übersetzt diesen Ansatz in ein Bild: ein leuchtend ozeanblaues Gesicht, aus generativen Linien und Strukturen geformt, schwebt vor tiefschwarzem Grund. Es wirkt wie eine digitale Maske – EMIKA „in the matrix“ – zugleich fremd und vertraut, kalt und lebendig. Genau wie die Musik, die unter dieser Oberfläche pulsiert, changiert die visuelle Sprache zwischen unheimlicher Kühle und hypnotischer Anziehungskraft. „Chaos Star“ ist kein Album für beiläufiges Hören. Es fordert volle Aufmerksamkeit und belohnt mit einer Atmosphäre, die gleichermaßen melancholisch und hoffnungsvoll, dunkel und verträumt wirkt.
Die generativen Muster haben etwas Organisches, fast Nostalgisches, während die klaren, synthetischen Texturen immer wieder Momente von Sinnlichkeit und Euphorie zulassen. Dieses Spannungsfeld – zwischen Zufall und Kontrolle, Fremdheit und Nähe – macht das Werk zu einem intensiven Erlebnis für all jene, die bereit sind, sich auf den kontrollierten Sturm in EMIKA’s elektronischem Universum einzulassen.
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