DIANA ROSS Blue
Diese Songs wurden 1972 aufgenommen, um aus DIANA ROSS´ Auftritt in dem Billie Holiday-Biopic Lady Sings the Blues Kapital zu schlagen. Das Projekt wurde aber auf Eis gelegt, da Berry Gordy entschied, dass sie zum Pop zurückkehren sollte. Er hatte wahrscheinlich recht – dies ist weniger ein verlorener Klassiker als vielmehr eine angenehme Abwechslung.
Für Soul-Fans sind die Motown-Archive das musikalische Äquivalent zum Wonka-Gebäude in Charlie und die Schokoladenfabrik. Jede Wendung ist voller Möglichkeiten der Wiederbelebung, Bewahrung und in einigen Fällen überraschender Entdeckungen. Das ist der Fall bei „Blue“, welches eigentlich das Nachfolgealbum zu Diana Ross‘ überaus erfolgreichem „Lady Sings the Blues“ werden sollte. Dieses wurde jedoch auf Eis gelegt, als Motown-Maestro Berry Gordy Ross mit „Touch Me in the Morning“ wieder in eine popigere Richtung führte.
Diese Richtung war zwar damals erfolgreich, ist aber bedauerlich, da die Darbietungen auf „Blue“ mit denen auf „Lady Sings the Blues“ konkurrieren (und in manchen Fällen sogar besser sind). „Let’s Do It“ ist ein Paradebeispiel dafür. Gestützt durch ein akustisches Gitarrenklimpern, murmelnde Streicher und eine gedämpfte Trompete hüpft Ross’ Stimme leicht, während sie von diesen „Goldfischen in der Privatsphäre von Glasgefäßen spricht, die sich verlieben“.
Sie moduliert ihre Stimme in einem begrenzten Bereich, aber jede Feinabstimmung fügt trockenen Humor hinzu und gibt den anmutigen Wendungen den idealen Rahmen, um ihre Wirkung zu entfalten. Diese Interpretationen tragen nicht viel persönlichen Stempel, aber sie sprühen trotzdem vor Leben. Und auch wenn Ross eine bekanntermaßen dünne Stimme besitzt – Ella Fitzgerald hätte sie zum Frühstück verspeisen können – wird ihr begrenztes Instrument geschickt bei sprudelnden Mixturen wie „Can’t Get Started With You“ und dem spritzig-masochistischen „Tain’t Nobody’s Bizness If I Do“ eingesetzt.
Ross und Motown verkaufen hier eine andere, gehobenere Art von Fantasie als bei The Supremes, aber die glänzenden, schimmernden Oberflächen von „Blue“ sind immer noch furchtbar verführerisch.
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