Deerhunter – Cryptograms

Im Debüt „Cryptograms“ erkunden Deerhunter Entfremdungen und Leiden durch akustische Traumlandschaften und abstrakte (aber unverkennbar kunstvolle) Phantasmen. Für diejenigen, die genau und aufmerksam zuhören, sich von normalen musikalischen Gewohnheiten trennen, werden sich die mystischen Kräfte von „Cryptograms“ immer wieder erfolgreich enthüllen. Mit „Intro“ beginnt das Album in einem verwirrten Klangnebel, der von pulsierenden Bassnoten über Grillen-Geräusche bis hin zu fließendem Wasser reicht. Dieses Intro, ohne auch nur eine Melodie oder einen Hook einzuflechten, baut erfolgreich Spannung direkt für den Titeltrack auf, der eine böse Gitarrenlinie und die monotonen Überlegungen von Frontmann Bradford Cox einführt: “My greatest fear, I fantasized / The days were long, the weeks flew by / Before I knew I was awake / My days were through, it was too late“. 

Cox (der auf oberflächlicher Ebene ein von Natur aus „alberner“ Frontmann zu sein scheint) entpuppt sich hier als ziemlich dunkler Dichter, dessen düstere Meditationen durch die intensiven Rhythmen der Band verstärkt werden. Die zweite Hälfte des Albums schafft wohl einige der besten psychisch verrückten Songs, seit Jason Pierce und Julian Cope isolierte Einzelgänger geworden sind. „Spring Hall Convert“ ist einfach umwerfend und arbeitet zusammen mit „Heatherwood“ daran, Melancholie und Verwunderung zu erregen, ohne eine erzwungene Emotion oder egoistische Sorge um ihr Image. Obwohl sich das Album durch viele Genres und Ideen bewegt, fühlt sich „Cryptograms“ so an, als würde es einen Hauch von Verzweiflung und innerem Aufruhr darüber bewahren. 

Vielleicht werden Deerhunter nie in der Lage sein, die Fangemeinde zu erreichen, die sie eigentlich haben sollten, oder vielleicht werden sie, wie so viele der besten Musiker, verachtet, bis wir alle erkennen, was wir bisher immer für selbstverständlich hielten.