Daily Bread – Well, You’re Not Invited

Was für eine atemberaubende Eigen-Dynamik: Die Mitglieder Stefan Stoer (drums), Chris Mulder (bass) und Kimberly van der Velden (vocals) stammen aus den Niederlanden, wurden 2007 im holländischen Friesland gegründet und ziehen gerade mit wehenden Fahnen durch die benachbarten Länder. Dort folgen Eroberungen und die Verbreitung Ihrer unmissverständlichen Kunde. Diese trägt den Titel ‚ Well You’re Not Invited ‚ und hinterlässt wohl kurz darauf fragende Gesichter und schüttelnde Köpfe. Wegen dieser Nachricht wurden sämtliche Länder durch wuchtige Rhythmen und brechende Drums in den Erdboden gestampft? Steckt dahinter nicht ein bisschen mehr? Hätten uns Daily Bread nicht bis auf den letzten Cent ausnehmen können, anschließend mit schwarzem Stift und blutroter Farbe Ihren Namen an die Häuser schmieren und mit lauten Gelächter in das nächste Land ziehen können? Vermutlich. Es wäre eigentlich überhaupt kein Problem gewesen, die umschmeichelnde Macht des Trios glänzt durch eine Ungebrochenheit, jegliche Versuche wären gescheitert und überhaupt – Ihr Sound hätte diese niederträchtigen Gedanken bereits im Keim erstickt. Ebenfalls bestaunenswert sind die einfachen und fast schon lächerlichen Mittel Ihrer Überlegenheit: Schlagzeug, Bass und ein paar selbstgebaute Effektgeräte. Der Opener ‚ Put your Shoes on the Dance Floor ‚ verdeutlicht die geschriebenen Worte und bringt diese knallhart auf den Punkt. Daily Bread preschen kompromisslos durch Ihre Strophen, spucken auf rücksichtsvolles Verhalten, aufwirbelnder Staub und auspritzende Erde bedecken unsere Gesichter. Der Anstand ist in diesen Minuten eine überflüssige Eigenschaft, die abgelegt werden muss. Daily Bread kämpfen sich durch ‚ So Good So Far ‚ und ‚ Well, You’re Not Invited ‚, bleiben dabei zu jeder Sekunde unglaublich mitreißend und ehe einem selbst die Puste ausgeht, stimmt das Trio endlich ein paar ruhige Töne an. ‚ About Birds and Bees ‚ erklingt in den Ohren sanftmütig, fröhlich und erfrischend unbenutzt. ‚ Worship-Warship ‚ ist kurz darauf der erneute Schritt in schnelle Spuren und erlebt dabei zugleich den dunkelsten Moment auf dem Debüt der Niederländer. ‚ If You Kiss the Policeman, You’ll Get your Bike Back ‚ wurde eine ähnliche Duftnote spendiert und es drängt sich die Frage auf: Singt Kimberly hier aus Erfahrung? Der hauchenden Stimme folgend, liegt die Vermutung allerdings sehr nahe. ‚ En France ‚ ist der fulminante Ausbruch in ausflippende Szenarien und verdeutlicht, wie verrückt die Gesichtszüge von Daily Bread in den wahren Momenten tatsächlich erscheinen. Aber wir sprechen hier von einer durchgeknallten Verrücktheit der besonderen Art und Weise, die kurz darauf in ‚ Blabbermouth ‚ eine halsbrecherische Wendung vollführt, die letzten Zweifler über Bord kippt und nun endlich für jede Menge Abwechslung auf dem Debüt garantiert. Abschließend will ich den anfänglichen Punkt mit der ungestümen Eigen-Dynamik aufgreifen: denn davon hat die Single und letzte Track ‚ Shoot The Picture ‚ reichlich. Rhythmisch brechen die Drums in den anziehenden Indie-Electro-Rock-Mix, melodisch verführen uns die Synthies auf ihrem Weg zum Ziel und nebenbei scheint die Stimme von Sängerin Kimberly wie ein langgezogener Kaugummi durch die angeheizten Lüfte zu schweben. Hier wird das Wohnzimmer zur Tanzfläche. Oder die Tanzfläche zum Wohnzimmer. In jedem Fall flackern die Neonröhren wenn das abbremsende Ende zum Auslauf ansetzt. Stürmisch und fast schon mit leichter Panik im Genick versuchen die Menschen noch einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Denn eines ist sicher: auf keinen Fall sollte man bei dieser Band etwas verpassen. Keinen Song, keine Melodie, keine Strophe, kein verdammtes Wort.