Clare And The Reasons – Arrow

Ein süßer Sommertraum huscht über verschneite Landschaften, verwandelt triste und farblose Schwarz-Weiß-Kombinationen in unglaublich bezaubernde Phantasiegebilde. Zudem finden wir spielerischen Zugang zu einem breiten Themenspektrum, abwechslungsreichen Schauplätzen und viel Raum für Interpretationen jeglicher Art. Wo dieses Land der aufgehenden Wunder zu finden ist? Natürlich auf dem zweiten Album ‚ Arrow ‚ von Clare & The Reasons ‚ aus New York. Es fallen schon fast ironische Blicke auf dieses Werk, beachtet man das nervöse und hektische Treiben in dieser Metropole. Denn Clare & The Reasons erinnern an eine Käseglocke. Abgeschirmt von der treibenden Außenwelt, komponieren und musizieren die sieben Bandmitglieder orchestralische Pop Melodien mit Sicht auf die positiven Dinge des Lebens und verzichten dabei vollständig auf die traurige Realität des Krieges, des Drogenmissbrauchs und der Armut. Es sind einfache Songs. Ehrliche Songs mit viel Herz und dem Verzicht überzogener Teenie-Pop Songs in triefender Zuckerglasur. Clare & The Reasons bedienen sich musikalisch an kosmopolitischen Pop Standards mit Orchestrierungen in anspruchsvoller Schaumbildung. Es ist ein gut schmeckender Schaum in ästhetischer Aneinanderreihung. Er wirkt kunstvoll und elegant im Opener ‚ All The Wine ‚, unberechenbar und spannend in ‚ Our Team Is Grand ‚ und zugleich auch anstrengend im folgenden Stück ‚ You Got Mine ‚. Dann wieder herrlich schräg in dem Coverstück ‚ That’s All ‚ von Genesis mit tatkräftiger Unterstützung der Blasinstrumente. Oftmals erinnern die Stücke auch an John, Paul, George und Ringo. Wie zum Beispiel der markante Basslauf von ‚ Murder, They Want Murder ‚, der aus dem Beatles Klassiker ‚ Ob-La-Di, Ob-La-Da ‚ entliehen wurde. Den Höhepunkt auf ‚ Arrow ‚ erreicht allerdings das vorangegangene ‚ Photograph ‚ mit seinen wunderschönen und eindringlichen Streicher-Arrangements. Hin und wieder begegnen uns auch die sprudelnden Synthesizer in ‚ You Got Time ‚ und ‚ Perdue á Paris ‚. Doch insgesamt erinnert vieles auf ‚ Arrow ‚ an die Beatles. Sie sind mehr oder weniger gegenwärtig, der Geist aus früheren Tagen umschmeichelt die zweite Platte von Clare & The Reasons, inspiriert und kitzelt uns mit kleinen Dissonanzen sanft an den Zehenspitzen. Den Schlusspunkt auf ‚ Arrow ‚ liefert das von dunklen Trommeln bestimmte Stück ‚ Wake Up (You Sleepy Head) ‚. Wäre diese Art von Songs nicht schon vor 40 Jahren unter den Beatles entstanden, würde das Album mit Sicherheit nicht den faden Beigeschmack einer Reproduktion in sich tragen. Denn so wirkt es trotz hoher Qualität, leider nur wie eine charmante Sackgasse im überfüllten Straßenverkehrsnetz von New York.