Cherry Overdrive – Go Prime Time, Honey!

Nett sehen sie aus, die vier Mädels auf dem Cover. Kurze Röcke und schwarze Nylonstrümpfe im Einheitslook. Eben ganz die 60er Jahre. Ein Jahrzehnt mit hohem Trendfaktor, zumindest im 21. Jahrhundert. Viele machen mit und viele machen es auch ganz ordentlich. Cherry Overdrive stammen aus Norwegen, sind der Gegenpart von Pintandwefall aus Finnland und selbstverständlich eine All-Girl-Garage-Rock Band mit Sitz auf dem stilsicheren Label Heptown Records. Aber ist ‚ Go Prime Time, Honey! ‚ keineswegs die durchgeknallte Debütplatte vier junger Mädchen, nein, vielmehr befinden wir uns schon mitten im zweiten Release zwischen melodischen Riffs, kratzenden Rock’n’Roll Einlagen und eben der angesprochenen Dosierung Garage Rock. Und von dieser natürlich mehr als reichlich. ‚ Go Prime Time, Honey! ‚ wurde mit Anders H. Mortensen zusammen produziert, enthält 12 temperamentvolle Tracks und bekam den letzten Schliff im Sauna Recording Studio von Nikolaj Noerlund. Einem Studio wo auch schon The Raveonettes, Baby Woodrose und Mew Ihren Retro-Sound aus den Instrumenten jagten. Doch um das Wesentliche anzusprechen, den Sound auf der zweiten Platte, schleicht sich leider mit rascher Eile eine deutliche Ernüchterung ein. Kann der Beginn mit ‚ Count Me In ‚ und Shut‘ Em Up! ‚ mit Tempoanziehungen, schnellen Wechseln und einer dominanten Foxy am Mikrophon überzeugen, fallen wir im Mittelteil durch alle Wolken. Es wirkt geradezu nach einer grenzenlosen Ideenlosigkeit und verabschiedet sich auf diesem Weg recht unsanft aus den hohen Erwartungen der anfänglichen Minuten. Einzig ‚ Leave My Town ‚ prescht nochmals in ruppiger Manier durch die Strophen, begeistert mit einem sehr eingängigen Refrain und lässt auch daneben kaum Wünsche offen. Nach ‚ Sold Out ‚ bleibt der Track sogar das unbestrittene Highlight auf ‚ Go Prime Time, Honey! ‚ und zeigt zumindest das große Potential, das sich im Inneren der vier Mädels aus Kopenhagen befinden muss. Auch ist das zweite Studioalbum ein klarer Schritt nach Vorne gegenüber Ihrem Debüt. Die Sache wirkt stimmig, durchdacht und streicht ein wenig mehr Pop-Einflüsse auf die Songs, als es noch bei ‚ Clear Light ‚ der Fall war. Schade nur, das Cherry Overdrive nicht das geben können, was eigentlich möglich wäre. So hinterlassen die Schwedinnen mal wieder ein unbefriedigendes Gefühl in uns zurück und die Hoffnung, das es dann vielleicht mit der dritten Platte endlich auf gesamter Länge funktionieren will.