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BLACK SABBATH Vol. 4

1972

BLACK SABBATH veröffentlichen mit VOL. 4 ein Album der Auflösung, der Überdehnung und der inneren Instabilität. Die Platte zeigt eine Band, die ihre eigene Schwere nicht mehr bündelt, sondern aufbricht. VOL. 4 wirkt wie ein offener Arbeitsprozess, der bewusst Risiken eingeht und seine Brüche hörbar macht.

Als Black Sabbath 1972 ihr viertes Studioalbum „Vol. 4“ vorlegen, ist sofort spürbar, dass sich etwas verschoben hat. Die Aufnahmen im Record Plant in Los Angeles tragen nicht mehr die kontrollierte Verdichtung von Master of Reality, sondern wirken offener, zersplitterter, in vielen Momenten beinahe fahrig. Die Band produziert sich selbst, das Studio wird weniger als Ort der Disziplin genutzt, sondern als Experimentierraum, in dem Entscheidungen ausprobiert, verworfen oder einfach stehen gelassen werden. Die starke Präsenz von Drogen während der Sessions hinterlässt hörbare Spuren: Strukturen wirken gelockert, Übergänge bleiben bewusst roh, Dramaturgien verlieren ihre klare Richtung.

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Schon der Auftakt mit „Wheels of Confusion“ macht diese Fragmentierung deutlich. Das Stück entfaltet sich nicht linear, sondern bewegt sich in Schüben, bricht ab, setzt neu an. Tony Iommi’s Gitarrenarbeit wechselt zwischen massiven Riffblöcken und aufgelösten Passagen, die kaum Halt bieten. Geezer Butler’s Bass hält sich auffällig zurück, statt zu dominieren zerfasert er das Fundament, während Bill Ward mit nervösen Akzentverschiebungen für Unruhe sorgt. Das Schlagzeug wirkt beweglich, fast suchend, weniger erdend als zuvor. Diese Instabilität zieht sich durch das gesamte Album. „Tomorrow’s Dream“ flirtet kurz mit Zugänglichkeit, zieht sich jedoch schnell wieder zurück, als wolle der Song seiner eigenen Klarheit misstrauen. 

„Changes“ steht isoliert im Raum, reduziert auf Klavier und Gesang, fast nackt, wobei Ozzy Osbourne’s Stimme zwischen Verletzlichkeit und Distanz schwankt. Es ist kein Ruhepol, sondern ein Moment der Leere, der die Überladung der übrigen Stücke erst sichtbar macht. Selbst das instrumentale Zwischenspiel „FX“ wirkt weniger wie ein bewusst gesetzter Übergang, sondern wie ein akustischer Kontrollverlust. Auf der zweiten Hälfte verdichten sich die Brüche. „Snowblind“ kreist um den Alltag unter Substanzeinfluss, nicht moralisierend, sondern beobachtend, beinahe nüchtern in seinem Zynismus. „Cornucopia“ wirkt zusammengesetzt aus widersprüchlichen Teilen, die nicht verschmelzen wollen. 

„Laguna Sunrise“ öffnet plötzlich einen leichten, beinahe schwebenden Raum, der jedoch keine Auflösung bietet, sondern als flüchtiger Kontrast erscheint. Wenn „Under the Sun“ das Album beschließt, geschieht dies ohne Erlösung, mit einem Gefühl von Erschöpfung, das sich nicht entlädt, sondern stehen bleibt. Auch das Albumcover spiegelt diese Spannung. Das monochrome Foto von Ozzy Osbourne mit erhobenen Armen wirkt entrückt, beinahe isoliert, der Körper aus dem Kontext gelöst. Die Geste lässt sich weder eindeutig als Triumph noch als Anklage lesen, sie bleibt offen, wie die Musik selbst. „Vol. 4“ präsentiert sich so als Dokument einer Band, die zwischen Überladung und Leere schwankt, zwischen Schwere und Auflösung, ohne diese Gegensätze zu versöhnen.

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85
bühne
1972
Vol. 4
AW-0152-RO

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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