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BLACK SABBATH Sabotage

1975

BLACK SABBATH legen mit SABOTAGE ein Album vor, das nicht beruhigen will. Es klingt kantiger als der Vorgänger, als wäre jede Oberfläche absichtlich rau gelassen. Unter dem Druck geschäftlicher Konflikte wird das Studio zur Zuspitzung, nicht zur Politur. 

Black Sabbath veröffentlichen 1975 ihr sechstes Studioalbum „Sabotage“, aufgenommen in England in den Morgan Studios in Willesden, London, produziert von der Band selbst gemeinsam mit Mike Butcher. Man spürt diesen Kontext nicht als Anekdote, sondern als Druck im Material: als müssten Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward ihre Sätze gegen ein ständiges Dazwischenarbeiten behaupten. Die Musik wirkt angespannter, direkter, weniger ausgleichend, als stünde hinter jeder Entscheidung ein Einspruch, der schon auf dem Tisch liegt. Gitarren übernehmen die Hoheit, nicht als dekorative Schicht, sondern als unmittelbare Front. Iommi’s Riffs sind härter geführt, oft in abrupten Spannungswechseln, die keine Vermittlung anbieten. Butler’s Bass steht nicht nur darunter, er schiebt, widerspricht, zieht Linien in die Lücken. Ward treibt aggressiver, konfrontativ, mit einem Schlagzeug, das nicht glättet, sondern schneidet.

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„Hole in the Sky“ eröffnet mit einer scheinbar groben Setzung, die erst im Verlauf ihre Mechanik zeigt: ein Stoß nach vorn, dann das abrupte Abreißen, als sollte jede Gewöhnung sabotiert werden. „Don’t Start (Too Late)“ wirkt wie ein kurzer, verstörender Korridor, der den Blick verengt, bevor „Symptom of the Universe“ in eine Form stürzt, die zugleich streng und überdreht ist. Der Song kippt mehrfach die Temperatur, bis das Ende mit Akustikgitarren nicht beruhigt, sondern wie ein irritierendes Gegenbild stehen bleibt. „Megalomania“ treibt die Überdehnung zum Risiko: ein langer Verlauf, der zwischen Kontrolle und Kontrollverlust pendelt, mit Momenten, in denen Osbourne hörbar am Limit phrasiert, schärfer, exponierter, emotional weniger distanziert. Gerade hier wird die innere Unruhe zum Prinzip, nicht zum Unfall.

Auf der zweiten Seite setzt „Thrill of It All“ auf Härte, auch wenn der Song seine Konturen wechselt und damit eine Art selbst erzeugter Reibung zulässt. „Supertzar“ schiebt mit Chor und massiver Geste ein unheimliches Ritual dazwischen, das die Platte nicht erweitert, sondern noch enger macht, als würde Größe hier zur Belastung. „Am I Going Insane (Radio)“ stellt einen scheinbar eingängigen Rahmen auf, den es sofort wieder unterläuft, bis das Lachen am Rand der Fassung liegt. „The Writ“ bündelt schließlich, wofür dieses Album steht: Bedrohung, Machtmissbrauch, Paranoia, Widerstand, ohne jede Aussicht auf Erlösung. Der Track arbeitet mit Brüchen, mit zwei Gesichtern, die einander nicht versöhnen und gerade darin seine Schärfe findet.

Schon das Cover passt zu dieser Stimmung, auch ohne Erklärung: Die Band steht in einem irritierenden Spiegelbild, in Farben und Kleidern, die unfreiwillig wie Masken wirken, gerahmt von einem schweren Ornament, als wäre der Blick selbst gefangen. „Sabotage“ klingt ähnlich. Es ist kein Album, das Balance sucht. Es ist ein Album, das seine Spannung hält, indem es sie nicht auflöst. Es endet als dichtes, kantiges Dokument eines Arbeitsprozesses unter Druck, präzise genug, um zu treffen, zu unruhig, um zu beruhigen.

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77
gruppe
1975
Sabotage
AG -0205- TS

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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