Archive – Controlling Crowds

Im epischen Ausmaß zerflossen die unsichtbaren Linien zwischen gewagt und gewaltig, schrammelnde Gitarren und klare Beats strebten nach der totalen Überwältigung und dennoch, so wirklich überzeugen konnten die TripHopper mit dem letzten Studioalbum ‚ Lights ‚ niemanden so wirklich. Die Neuformierung sollte beweisen das Sie mehr zu bieten haben, außer stimmungsvolle Hymnen zu komponieren und die großen Momente zu erzwingen. Im Ansatz ist Ihnen das Vorhaben damals gelungen, aber nicht mehr und auch nicht weniger. Drei Jahre später ist aus dem Trio eine eingeschworene Truppe geworden, die aus der Vergangenheit Ihre Schlüsse zog und Ihre dicken Soundteppiche zum Ausklopfen über die Stange geschmissen hat. Tatsächlich besteht die Band um die beiden Gründungsmitglieder Darius Keeler und Danny Griffiths bereits seit 1994 und veröffentlichen seitdem in kontinuierlichen Abstand Ihre Platten. Ihr neustes Werk nennt sich ‚ Controlling Crowds ‚ und beginnt erstmal ziemlich unspektakulär. Während man damals zum Opener ‚ Sane ‚ noch Angst haben musste, ob die Musik denn überhaupt durch die Boxen passt, muss jetzt erstmal ein wenig an der Lautstärke herumgefummelt werden. Der gleichnamige Opener lässt es leise und entspannt angehen, bedächtig plätschern die Synthies wie ein warmer Regen von oben auf uns herab und erzeugen einen langsam wachsenden Spannungsbogen. In sich überlappende Bildwelten strömen nach und nach in den 10-Minuten-Kollos herein und zelebrieren wie bei keiner andere Band, die flüssigen Übergänge zwischen völliger Leere und grenzenloser Fülle. Danach folgt die erste Singleauskopplung ‚ Bullets ‚ und ein zugleich drückender wie anziehender Gesang, der auch nach mehreren Hördurchgängen fest in unseren Köpfen verankert bleiben wird. Geigen und Chöre dringen bedächtig von unten an die stürmische Oberfläche und entladen sich schließlich in pulsierenden Geschossen nach allen Himmelsrichtungen. Neben diesen ausdrucksstarken Songs, welche von Pollard Berrier gesungen werden, lassen sich natürlich auch wieder die Rappeinlagen von Rosco John finden. Ja Rosco John hat nach über zehnjähriger Abstinenz zurück gefunden und klingt auch bei weitem nicht mehr so störend wie auf dem Erstlingswerk ‚ Londinium ‚. Leider wurden damit die Songs nicht unbedingt besser, belanglos und schnell vergessen werden deshalb Stücke wie ‚ Quiet Time ‚ sein und Kennern dürfte ebenfalls das eine oder andere bekannt vorkommen. Trotzdem bleibt es bei einer deutlichen Steigerung und vielen spürbaren Änderungen, die den Glauben an Archive wieder zum Erleuchten bringen.