ALISON WONDERLAND Run
ALISON WONDERLAND treibt RUN auf die Autobahn der Clubroutine: grelles Tempo, wenige Kurven, selten echte Gefahr. Ein Debüt voller Druck. Oft ohne Profil.
„Run“ ist das Debütalbum von Alison Wonderland, dem Projekt von Alexandra Sholler: Sydney, DJ-Pult, Popinstinkt, dazu eine musikalische Biografie, die mehr verspricht als reine Festival-Funktion. Da ist die klassisch ausgebildete Cellistin, die sogar als führende Cellistin im Sydney Youth Orchestra saß, da ist die frühere Zeit als Bassistin in einer Indie-Pop-Konstellation. Dazu stehen mit dem Mixtape „Welcome To Wonderland“ und der „Calm Down“ EP bereits Entwürfe im Raum, die Spannung durch Kontraste suchen. Genau diese Kontraste werden auf „Run“ zu oft geglättet. Das Album will in 12 Stücken permanent nach vorn, es jagt den nächsten Peak. Nur: Wer dauernd beschleunigt, erzeugt irgendwann Stillstand im Körper.
Das Cover liefert das passende Bild: eine nächtliche Straßenflucht, harte Laternenpunkte, gelbe Markierungen wie Warnlinien, Zahlen wie Spuren eines Tests. Diese Optik verspricht einen Kontrollverlust mit System. Musikalisch bleibt häufig nur das System. Der Opener „Run“ setzt mit dem Mantra „Don’t take it down“ auf Dringlichkeit, seine Dramaturgie wirkt kalkuliert, nicht riskant. „One More Hit“ stapelt Druck in Wiederholungen, „Give me air“ klingt nach Panik im Neonlicht, die Produktion behandelt es wie eine weitere Oberfläche.
Die kollaborative Gästeliste wirkt stärker als die Resultate. Wayne Coyne taucht in „U Don’t Know“ auf, der Song hat ein klares Zentrum in der Zeile „You don’t know how it is / For someone else to own you“, nur bleiben Bass und Fallhöhe erstaunlich zahm. Mit SAFIA gelingt „Take It To Reality“ am ehesten ein Sog, der über Funktion hinausweist, weil die Trance-Therapie-Idee nicht nur behauptet wird. „I Want U“ arbeitet mit Dropouts und Rückzugsmomenten, die kurz Luft schaffen, bevor das Album wieder in seine Einheitshelligkeit kippt. „Games“ deutet Wendigkeit an, verliert sie wieder in schwerer, betonter Produktion.
„Naked“ mit Slumberjack und „Carry On“ mit Johnny Nelson und GANZ tragen zwar Gesten von Attitüde, dennoch bleibt viel Klang wie Kulisse: präsent, laut, selten notwendig. Erst im Ausklang von „Already Gone“ blitzt eine andere Alison Wonderland auf, eine, die Resonanz zulässt statt nur Signal. Diese Andeutung wirkt wie der spannendste Teil eines Albums, das seine eigene Vorgeschichte nicht konsequent nutzt.
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