Eine hypnotische Odyssee zwischen Jazz-Folk und sprödem Dub: Das TARA CLERKIN TRIO entwirft mit dem neuen Meisterwerk SOMEWHERE GOOD eine melancholische Gegenwelt zur fortschreitenden urbanen Entfremdung.
Das Album beginnt mit einem Zustand der Orientierungslosigkeit. Im Opener „Lake Walk“ tasten sich eine verfremdete Klarinette und filtergeladene Bandechos durch einen klanglichen Raum, der merkwürdig deplatziert wirkt, als betrete man die Kulissen eines vertrauten, aber längst vergessenen Traums. Es ist eine bewusste Verweigerung unmittelbarer Eingängigkeit, ein collagenhaftes Schichten von Fragmenten, das die bisherige Vorliebe der Band für ephemere Kleinformen aufgreift und in eine neue, zwingendere Dringlichkeit überführt. Die Musik verweilt in einer seltsamen Schwebe, bevor die Rhythmusgruppe eine minimale Erdung einfordert.
Diese bewusste Inszenierung von Intimität und künstlicher Distanz spiegelt sich prägnant auf dem Coverartwork wider. Die dort abgebildete, aus grober Wellpappe zusammengefügte Häuserzeile verweist nicht etwa auf eine naive Bastelästhetik, sondern problematisiert das fragile Verhältnis zwischen gelebter urbaner Authentizität und der künstlichen Fassade einer von Gentrifizierung bedrohten Heimat. In den ausgeschnittenen Fenstern dieser Pappkonstruktion blitzen isolierte Realitätsfetzen auf: Hände auf Klaviertasten, Musiker im Studio, ein einsamer Blick in den Sonnenuntergang. Es ist eine visuelle Zuspitzung dessen, was das Tara Clerkin Trio auch klanglich verhandelt – die Rekonstruktion von Erinnerung aus den spröden Materialien einer entfremdeten Gegenwart.
Mit dem Eintritt von Tara Clerkin’s Stimme gewinnt das lose Gefüge an Kontur, ohne seine geheimnisvolle Undurchdringlichkeit einzubüßen. Ihre betont unaufgeregte, fast dissoziative Phrasierung fungiert in Stücken wie dem hypnotischen Titeltrack „Somewhere Good“ als emotionaler Ankerpunkt inmitten raumgreifender Vibraphonschleifen und anschwellender Synthesizersirenen. Wenn sie die Zeilen singt: „You’re leaping fields, I’m falling leaves / You’re busy streets, I’m moving feet“, entfaltet sich eine tiefe motivische Schwermut. Diese lyrische Gegenüberstellung von Stillstand und unaufhaltsamer Dynamik zieht sich als roter Faden durch die gesamte Komposition und dokumentiert eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit Verlust und innerer Rastlosigkeit.
Produzent Dominic Mitchison lässt den improvisierten Passagen und jankigen Samples bewusst viel Raum zum Atmen. Die Arrangements auf „Somewhere Good“ dehnen sich geduldig aus, wobei das Schlagzeugspiel von Sunny Joe Paradisos und die subtilen Tastenarbeiten von Patrick Benjamin eine erstaunliche jazzige Reife beweisen, die niemals rein dekorativ wirkt. Im schleppenden Dub-Basslauf von „Lazy Daisy“ oder den verfremdeten Anleihen an die urbane Melancholie des klassischen Bristol-Sounds in „Slow Island“ artikuliert die Band eine tief sitzende Skepsis gegenüber glattpolierten Oberflächen. Das Album verweigert sich einfachen Auflösungen und entfaltet seine meditative Anziehungskraft erst durch die kontinuierliche Wiederholung seiner spröden Motive.
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