LED ZEPPELIN Led Zeppelin III
LED ZEPPELIN öffnen auf LED ZEPPELIN III ihr Klanguniversum zu einer überraschend luftigen Langspielplatte. Akustische Räume treten neben elektrische Ausbrüche, pastorale Motive stehen neben eruptiven Momenten.
Mit der dritten Langspielplatte „Led Zeppelin III“ vollzieht das britische Quartett einen Schritt, der zur Jahresmitte 1970 kaum vorhersehbar gewesen wäre. Die Studioproduktion wirkt weicher, transparenter, zugleich sorgfältiger modelliert, als habe die Band die elektrische Wucht ihrer Vorgänger für einen Moment beiseitegelegt, um in akustische Passagen hineinzuhorchen. Die auf dem Cover versammelte Collage aus surrealen Fragmenten, fliegenden Formen und schwebenden Köpfen spiegelt diesen tastenden Zugriff: eine Bildwelt, die Andeutungen liebt, in der Linien aufflackern, abreißen, wiederkehren. Genau diese Beweglichkeit prägt das Album.
Der Auftakt mit „Immigrant Song“ bricht die Stille ohne Umschweife. Ein strenges Riff, ein wanderndes Rhythmusmuster, ein fast marschierender Klangkörper: Die Band schleudert ein kurzes, kompaktes Beben in den Raum. Doch bereits in „Friends“ öffnet sich eine andere Achse. Mandoline, offene Akkorde, eine straffe Harmonieschichtung, die von einer zarten Unruhe getragen wird. Robert Plant’s Stimme bewegt sich zwischen hellen Linien, die kaum Gewicht zu haben scheinen, und kurzen, aufflammenden Gesten. Jimmy Page verschiebt die Tonspur immer wieder in neue Lagen, nutzt Resonatorgitarren oder alternative Stimmungen, lässt die Verzerrungstechnik sparsamer wirken.
„Celebration Day“ und „Out on the Tiles“ erinnern an frühere Entladungen, wenngleich luftiger phrasiert, weniger kompakt, eher wie Umrisse elektrischer Energie, die nicht mehr das gesamte Arrangement dominieren. Dagegen entfaltet „Since I’ve Been Loving You“ einen bluesgetränkten Seufzer, getragen von einer Stimme, die mühelos zwischen Anspannung und Eleganz pendelt. John Paul Jones legt weiche Übergänge auf der Orgel, John Bonham formt ein dynamisches Fundament, das in Wellen anschwillt. Die zweite Seite der Langspielplatte zeigt das pastorale Zentrum des Werkes: „Tangerine“ flimmert mit einer melancholischen Leichtigkeit, „That’s the Way“ atmet eine Schlichtheit, die nur mit reduzierten Mitteln möglich ist.
„Bron-Y-Aur Stomp“ setzt auf akustische Körperlichkeit, rhythmische Sprünge, fast eine kleine Studie über Bewegung im ländlichen Raum. Ob „Led Zeppelin III“ einen endgültigen Umbruch markiert oder lediglich ein tastendes Herantasten an neue Ausdruckszonen bleibt offen. Dennoch entsteht der Eindruck einer Band, die experimentiert, ohne den inneren Zusammenhalt zu verlieren, und die elektrische Sprache ihrer ersten Langspielplatten um Transparenz, Feinheit und kompositorische Vielfalt erweitert.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
