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Gwenno in einem silbernen Kleid vor der Las-Vegas-Skyline – Albumcover von Utopia, 2025.
ALBUM

Utopia GWENNO

2025
MSTAX ALBUMPROFIL

GWENNO verschmilzt Erinnerung und elektronisches Tagebuch auf UTOPIA – ein poetischer Trip durch Las Vegas, Dalston und das Innere ihrer Selbst auf Englisch, Harfe und Hoffnung.

Was passiert, wenn man 25 Jahre gelebtes Leben in 10 Songs gießt? Gwenno Saunders, einst glitzerndes Pipette-Girl, nun walisische Klangarchäologin, findet mit „Utopia“ eine neue Sprache – im wahrsten Sinne. Zum ersten Mal singt sie überwiegend auf Englisch. Und doch klingt „Utopia“ wie ihr persönlichstes Werk. Vielleicht gerade deshalb.

Schon das Cover spricht: Gwenno sitzt in einem seidig schimmernden Kleid vor der lasziven Skyline von Las Vegas, das Make-up der Vergangenheit noch auf der Haut, der Blick nach innen gerichtet. Es ist ein Bild der Reflexion und der Schwebe – wie das Album selbst. „Utopia“ beginnt mit „London 1757“, einer Rückschau auf Migration, Entwurzelung und das Aufblühen in der Fremde. Es ist ruhig, beinahe liturgisch.

Doch Gwenno bleibt nie in einem Ton stecken: Mit „Dancing on Volcanoes“ springt sie mitten hinein in verrauchte Clubs, zitiert lakonisch: “You’ll ask me for a cigarette, but we don’t go out anymore.” Zwischen New-Wave-Gitarre und Dämmerzustand oszilliert sie zwischen Ekstase und Erschöpfung – eine Hymne auf jene Nächte, die nie ganz enden. Der Titeltrack wiederum klingt wie Portishead beim Sonnenaufgang in Nevada – Trip-Hop trifft Erinnerung.

„War“, basierend auf einem Gedicht von Edrica Huws, schlägt dunklere Töne an, während „The Devil“ den Moment beschreibt, in dem alte Wunden auf neue Städte treffen: “You’ll meet the devil in Brighton…”. Und doch: Es ist nie bittere Abrechnung. Eher sanfte Katharsis. Mit „St Ives New School“ nähert sich Gwenno dem Muttersein, “She’s growing inside me and I’m wondering who she’ll be.” Und auf „Hireth“, das auf der Harfe entstand, klingt es, als würde sie innehalten, uns anschauen und flüstern: „Wir sind noch da.“ 

„Utopia“ ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein funkelndes Prisma aus Erinnerungen. Es feiert das Fragmentarische, das Unscharfe, das Verschwommene. Gwenno findet darin Klarheit – und gibt sie weiter.

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Anspieltipps: London 1757, Dancing on Volcanoes, Hireth

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