Jessica Simpson – In This Skin

PopR&B, August 2003
Für ihr drittes Album IN THIS SKIN dämpft JESSICA SIMPSON die trashigen Club-Beats und das Image, bleibt im zeitgenössischen Dance-Pop-Bereich und nähert sich der Mittelklasse-Diva, nach der sie sich immer sehnte.

Auf ihrem dritten Album „Irresistible“ könnte ihre Unbeholfenheit entweder dem sagenumwobenen Einbruch im dritten Jahr oder der Tatsache zugeschrieben werden, dass sie zu sehr aufgezogen wurde, obwohl sie wirklich nur das süße, kurvige Mädchen von nebenan ist. “Is this chicken, what I have, or is this fish?”, wundert sich Jessica Simpson, sichtlich verwirrt über das „Chicken of the Sea“-Etikett auf ihrer Thunfischdose. Ihr Ehemann, Nick Lachey, starrt seine neue Braut völlig ungläubig an. Dieser offensichtliche Fall einer nicht übereinstimmenden Ehe (sie hat in ihrem Leben noch nie eine Ladung Wäsche gewaschen) wurde öffentlich in Newlyweds, dem neuen MTV-Reality-Programm des Paares, gezeigt und klingt nicht wie das Paradies, das Simpson auf ihrem neuen Album „In This Skin“ besingt. 

Tatsächlich wird man zu der Annahme verleitet, dass ihre Ehe dem fantastischen, von Wasserfällen durchtränkten, T-Shirt-getränkten Musikvideo zur ersten Single „Sweetest Sin“ nicht unähnlich ist. Der Ohrwurm aus der Feder von Diane Warren ist eine glänzende, leicht überproduzierte Angelegenheit. Und das Gleiche gilt für das gesamte Album, das von feuchten, überdrehten Pop-Balladen belastet ist, in denen Simpson wiederholt ihre Hingabe an Lachey bekundet. (Es gibt keinen einzigen Herzschmerz-Song, was das Album noch widerlich süßer macht.) Auch „With You“ handelt von Ihrem Ehemann – ist gut produzierter, eingängiger Pop und zeigt Simpson in Bestform. 

Auch hier sind die Texte generisch und einfallslos (was erwartet man, wenn man sich ein Jessica-Simpson-Album anhört?), aber für einen lässigen Popsong und eine effektive Single reicht das aus. Als nächstes kommt das Cover „Take My Breath Away“, ursprünglich von Berlin. Vielleicht ein wenig uninspiriert, die Melodien vorhersehbar eingängig, wobei Simpson’s Stimme den Track wirkungsvoll anführt. „You Don’t Have To Let Go“ ist dagegen ein schönes Beispiel für die unerwarteten Klavierbegleitungen auf dem Album. Dieser Track ist Teil des langsameren Mittelteils des Albums und verleiht dem Argument Gewicht, dass Simpson manchmal nicht nur die „Pop-Künstlerin“ ist. 

Doch wie auch immer man diese Ausrichtung bezeichnen möchte, es ist eine willkommene Abwechslung im Tempo und eine Pause vom zuckersüßen Pop der ersten Hälfte. Das Problem mit „In This Skin“ ist, dass sein Herz in der Mitte der Straße liegt, aber sein Sound immer noch zu jung ist, was dies zu einer Platte macht, die letztlich keine Zuhörerin zufrieden stellen wird.

4.6