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Zwei Frauen auf Teppichboden, eine mit langen roten Haaren in tierischer Pose, die andere abgewandt – surreales Albumcover von „moisturizer“ von Wet Leg
ALBUM

moisturizer WET LEG

2025
MSTAX ALBUMPROFIL

Auf dem zweiten Album von WET LEG trifft queere Liebe auf absurden Humor und fuzzige Gitarrenriffs und liefert einen Soundtrack zum Durchdrehen, Lieben und Leveln.

Als Wet Leg 2022 mit „Chaise Longue“ in die Indie-Welt platzten, war das wie ein ketamin-getränkter Witz mit Gitarrenbegleitung. Drei Jahre später hat sich einiges verändert. Auf ihrem neuen Album „moisturizer“ schreien Rhian Teasdale und Hester Chambers nicht mehr nur gegen Macker an – sie schreien für die Liebe. Oder zittern, winseln, sabbern und hauen mit Fäusten. Denn dieses Album ist die wilde Achterbahnfahrt einer queeren Selbstfindung, eingepackt in 90s-Gitarren, absurde Popkulturzitate und bittersüße Hymnen über emotionale Totalverluste.

Schon der Opener „CPR“ haut rein: „Call the triple nine and give me CPR“, fleht Teasdale – ist es Liebe oder ein medizinischer Notfall? Dazu hämmert eine Basslinie wie ein Defibrillator. Und es bleibt intensiv. In „liquidize“ schmilzt sie fast: „I melt for you, I liquidize“, singt sie – und klingt dabei eher wie jemand, der gleich explodiert. Der Schmerz der Verliebtheit tropft aus jeder Zeile – immer mit einem schiefen Grinsen. Musikalisch erweitert sich das Wet Leg-Universum spürbar. Mit ihren neuen Mitstreitern – Mobaraki, Durand und Holmes – haben sie live-gezüchtete Energie ins Studio getragen. 

„catch these fists“ ist eine Gitarrenkeule mit Riot-Grrrl-Attitüde, „davina mccall“ ein liebevoller Britpop-Throwback mit Reality-TV-Charme. In „pillow talk“ hingegen bricht alles aus: „Every night I fuck my pillow, I wish I was fucking you“ – ein Text wie ein nächtlicher Tagebucheintrag auf Speed. Und dann dieses Cover: Zwei Frauen auf Teppich. Die eine kauert wie ein Tier, mit Krallenhänden und einem Grinsen, das zwischen Wahnsinn und Lust pendelt. Die andere wendet sich ab, der Rücken schutzlos. Das ist nicht einfach surreal – das ist ein visuelles Destillat des Albums: Begierde, Kontrolle, Überforderung, Intimität, Machtspiel.

Der Closer „u and me at home“ nimmt schließlich alle Ironie raus. Ein melancholisch-verträumtes Bekenntnis zur Ruhe nach dem Sturm: „When I’m with you, I feel okay.“ Diese Sätze wiegen schwerer, weil davor so viel geschrien, geschwitzt und gezittert wurde. „moisturizer“ ist nicht perfekt – einige Tracks verlieren sich im eigenen Konzept, manches wiederholt sich – aber das macht nichts. Dieses Album will keine Klarheit. Es will das Chaos der Gefühle, und es will alles auf einmal. Und das ist verdammt nah dran an dem, was Liebe ist.

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Das Album anhören

Anspieltipps: CPR, catch these fists, u and me at home

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