Vampire Weekend – Contra

Vampire Weekend stehen und singen irgendwo in einem parallelen Universum. Eine Welt die in den letzten Monaten allgegenwärtig erschien und nun wieder in unserer Gegenwart angekommen ist. Es ist dieses faszinierende Nebeneinander, das sanfte Schweben auf gleicher Höhe und der Gesang von über fünfzehntausend Menschen zu den Strophen von ‚ Mansard Roof ‚. Ein Song der bei vollkommener Stille noch immer in unseren Köpfen zu hören ist. Dementsprechend konnten Vampire Weekend schon alleine wegen der hohen Erwartungshaltung diesen glamourösen Start auf Ihrer zweiten Platte ‚ Contra ‚ nicht wiederholen. Und so klingen die Melodien auf dem Opener ‚ Horchata ‚ auf den ersten Blick zurückhaltender, ruhiger und weniger anziehender als ‚ Mansard Roof ‚ aus dem Jahr 2007. Ähnlich wie ‚ Cousins ‚ stellt auch der Opener eine perfekte Beschreibung für die zweite Platt dar und beginnt mit der traditionellen Vampire Weekend Afro-Pop-DNA mit stählernen Drums im sonnendurchfluteten California Sunshine Pop und der geistigen Rückkehr wirbelnder Streicher von M79.

Niedlich hüpfen die Instrumente durch den verspielten Track ‚ White Sky ‚ mit einem traumhaft schönen Mix aus summenden Gitarren, Glockenspiel Amaturen, Elektronik- und Chor Harmonien. Hinzu gesellen sich von Sänger Ezra Koenig groteske Schreie die einem Tarzan Ruf zwar nur bedingt ähnlich erscheinen, aber vollkommen abwegig erscheinen diese Vorstellungen nach dem zweiten Durchlauf nun auch wieder nicht. Vielleicht ist schlussendlich ‚ White Sky ‚ sogar der heimliche Höhepunkt auf ‚ Contra ‚. Doch auch der nachfolgende Track ‚ Holiday ‚ erreicht das hohe Niveau mit schnellen Rhythmen, einer atemlosen Zielstrebigkeit und herrlich schrägen Tönen. Souverän fliegen die Melodien auf einer feinen Linie zwischen bewährten und sprühendem Einfallsreichtum die nur selten, wie in ‚ California English ‚, ins Stocken geraten. Nachdenklich und ruhiger wird es mit den Computer-orientierten Stücken ‚ Taxi Cab ‚ und ‚ Run ‚, die jedoch von dem rücksichtslosen ‚ Cousins ‚ mühelos aus der Kurve gedrängt werden. Wo das Album aber seine tatsächliche Geltung findet, sind die heiklen Arrangements und phantastischen Produktionen.

Die Melodien rücken dabei in den Hintergrund, machen Platz für perkussive Zwischenspiele und für die Stimmgymnastik von Ezra Koenig. Den Schlussteil von ‚ Contra ‚ bestimmen ‚ Diplomat’s Son ‚ und ‚ I Think Ur A Contra ‚ wieder mit ruhigen und langsamen Momenten, die sich jedoch durch die getriebenen Art der beneidenswerten Kreativität über sämtliche Konkurrenz erheben. Insgesamt bietet die neue Platte zwar keine Überraschungen mehr, der Sound hat sich in seinen Strukturen nur wenig verändert, bleibt dafür in jeder Hinsicht unverwechselbar und verliert sich nur selten in belanglosen Spielereien, wie in ‚ Giving Up The Gun ‚. Aber viel wichtiger als auf fehlende Neuerungen zu blicken ist die Tatsache, das Vampire Weekend zwar nichts besser machen, aber sich in keinster Weise berechtigte Kritik an ihrem Werk anhören müssten. Vielleicht ist ‚ Contra ‚ sogar noch ein Stück weit stimmiger, denn es lässt einen spürbaren Zusammenhalt zwischen den Songs erkennen und verzichtet zugunsten dessen auf die stürmischen Ausreißer, mit denen man damals noch völlig unvermittelt an der nächsten Ecke zusammen prallte.