The Strokes – The New Abnormal

The Strokes, die als Retter des Rock’n’Roll in den Neunzigern angekündigt wurden, befanden sich damals auf dem Höhepunkt der Welle neuer Bands, die aus der New Yorker Szene hervorgingen. Ob sie ihren hohen Status verdienten, war nebensächlich, es wurde der Maßstab, an dem sie selbst gemessen wurden. Nach ihrem Debüt 2001 geriet die Band in einen allzu vertrauten Strudel: Schlagzeilen, Drogenmissbrauch und Kämpfe, bis ihre Präsenz so weit nachließ, dass nach der „Future Present Past EP“ aus dem Jahr 2016 die Aussicht auf neues Material immer unwahrscheinlicher wurde. Dann, im Februar diesen Jahres, kündigten sie ihr erstes neues Album seit sieben Jahren an. Aber nach so langer Zeit stellte sich die Frage, ob sich überhaupt noch jemand darum kümmerte. 

„The New Abnormal“ zeigt die Gruppe über weite Strecken in Bestform, kanalisiert die Stärken Ihres Debüts, ersetzt aber das mit Amphetamin angereicherte Feuer durch das gemächliche Vertrauen in die Kontrolle über die eigenen Ziele. Es gibt überall eine spürbare Melancholie. Nicht aus Selbstmitleid, sondern aus der inhärenten Traurigkeit, die sich unweigerlich in jede gemessene Reflexion der Vergangenheit einschleicht. In „Brooklyn Bridge To Chorus“ ist die Gruppe in einem Arcade-Spiel aus den 80er Jahren gefangen, als futuristische Disco-Grooves in einen mürrischen Refrain übergehen, der sich reumütig mit den Gefahren des Ruhms auseinandersetzt („I want new friends, but they don’t want me”). 

„Bad Decisions“ ist eine ihrer unmittelbarsten Hymnen seit Jahren, während das etwas verwirrende „Eternal Summer“ wie The Police klingt, bevor der Track in einen bellenden Ska-Punk abtaucht, der genug von dem liebenswerten Charme der Band bewahrt, um über 6 Minuten durchzuhalten. Selbst wenn The Strokes sich beim schläfrigen, stolpernden Intro von „Not The Same Anymore“ zu verirren scheinen, trumpfen sie mit einem Refrain auf, der mit der gleichen Prahlerei daherkommt, wie einst auf „Room On Fire“. Unscheinbar, mühelos cool; schimmernde, sprudelnde Melodien, die intelligente Texte durchschneiden; die Fähigkeit, lebendig zu klingen und gleichzeitig keinen Scheiß von sich zu geben.

Alle Eigenschaften, die die besten Songs der Band untermauern, sind vorhanden, von „Dancing With Myself“ – der jüngsten Single „Bad Decisions“ bis zum funkelnden und sehnsüchtig klingenden „Selfless“. Das sechste Album der Strokes ist kein regressiver Versuch, „Is This It“ 2.0 zu machen – hier gibt es wenig, was auf diese funkelnde, jugendliche erste Platte passen würde – aber diese Rockstars sind endlich alt genug, um diese guten alten Zeiten hinter sich zu lassen und jetzt auch klug genug, um uns einen Soundtrack mit verlockend vertrauter Energie zu geben, den diese seltsamen neuen Zeiten verdienen.