Dum Dum Girls – Only In Dreams

Schon zu Ihrem Debüt ‚ I Will Be ‚ aus dem letzten Jahr konnte man eine gewisse Inhaltslosigkeit erkennen. Doch war es hier egal. Es glänzte der Lo-Gaze, die Platte war tough, cool und mit viel Herz und Liebe eingespielt. Aber, und das sollte man nicht unterschätzen, im letzten Jahr war noch eine Frankie Rose mit in der Band. Eine Band die es wohl nur aus diesem einzigen Grund zu Erfolg und Ansehen schaffen konnte. Frankie Rose spielte bei den Vivian Girls und seit Ende des letzten Jahres ist die Frau aus Brooklyn, NY, alleine als Frankie Rose & The Outs mit eigenen Songs unterwegs. Auch die Crystal Stilts provierten davon – wenngleich es noch vor Ihren zwei Studioalben war. Aber ohne eine Frankie Rose, um wieder die Kritik aufzugreifen, sind auch die Dum Dum Girls in der Bedeutungslosigkeit untergegangen. Und ähnlich wie Mode und Filmkunst, hat auch die Musik Ihre Launen und Trends. Im letzten Jahr gab es eben nicht nur die Dum Dum Girls, sondern auch Best Coast und die Vivian Girls, doch die zweite Platte ‚ Only In Dreams ‚ von den vier Damen aus Los Angeles wurde das stärkste Comeback erwartet. Zwar spielt das Quartett nun nach eigenen Regeln, der große Sprung zum Debüt ist nicht eingetreten. Vielleicht erleben wir mehr Tiefgang in den Erzählungen, denn vorbei ist die Wegwerfgesellschaft mit Ihren „la-la-la“ Gesängen und vielleicht liegt es auch an der kürzlich verstorbenen Mutter von Sängerin Dee Dee. Der Opener ‚ Always Looking ‚ lässt zumindest nichts vergleichbares erkennen und hämmert unkompliziert durch die Strophen, treibende Gitarren, Bass und Schlagzeug im harmonischen Rhythmen vereint und atmosphärisch auf dem Niveau Ihres Debüts. Was danach folgt ist größtenteils eine simple abgekochte Formel. Fast jeder Song stürzt zu Beginn in die Akkord-Strukturen der Verse, anschließend muss man die feinen Unterschiede mühsam suchen und sich dabei durch erstrickte Verkleidungen kämpfen. Aber nicht alles auf ‚ Only In Dreams ‚ ist schlecht und so besticht im dritten Stück ‚ Just A Creep ‚ besonders der leichte und ausdrucksstarke Gesang die Ohren, eine Stimme die geschwungen durch die scheinbar einfachen Melodien wandert. Dazu ein bisschen Surf-Pop und fertig ist eine sympathische Nummer, deren Riffs tatsächlich bis zum Ende der Platte im Gedächtnis bleiben. Was im Gesamten fehlt ist die Anziehungskraft, denn diese verliert rasch Ihre Wirkung wenn der Schwindel über die ähnlichen Trommelrhythmen erstmal nachlässt. Bei mir hat es hier eingesetzt: ‚ In My Head ‚, ‚ Heartbeat ‚ und ‚ Caught in One ‚ laufen zu allem Überfluss auch noch exakt in dieser Reihenfolge ab und eine gewisse Frustration muss man sich an dieser Stelle einfach eingestehen. Natürlich sind es gute Songs, ein zusammenhängendes Werk – es fehlt nur die befriedigende Vollständigkeit. ‚ Coming Down ‚ dagegen strahlt Zuversicht aus, ist eine anmutige Ballade über Ihre verstorbene Mutter, und ist musikalisch einer ähnlicher Triumph wie das abschließende ‚ Light In Your Eyes ‚ aus ‚ Share The Joy ‚ der Vivian Girls. “I take as much as I can get / I don’t take any regret.” heißt es in ‚ Coming Down ‚ und zieht damit eine passende Summe aus dem derzeitigen Stand der Dum Dum Girls. Nachdenklicher Optimismus und viszerales Songwriting stehen im Mittelpunkt der neuen Platte und mit den Zeilen, „And you’d do anything to bring her back/ I wish it wasn’t true/ But there’s nothing I can do/ Except hold your hand/ To the very end“, endet schließlich ‚ Only In Dreams ‚ und weil noch nichts verloren scheint, hoffen wir auf eine vielversprechende Platte in den kommenden Jahren.