The Amazons – Future Dust

2017 haben The Amazons alle Kriterien für eine aufstrebende Band erfüllt. Es wurde ausgiebig um die Welt gereist und sich auf unzähligen großen Festivalbühnen wiedergefunden. Und in den folgenden Jahren hat das Quartett aus Reading mehr davon getan. Immer mehr Tourneen und Festivals, bevor es dann endlich zurück in ihre Heimatstadt Reading ging, um mehr konventionellen Indie Rock zu schreiben. Während das selbstbetitelte Debüt der Band eine solide, wenn auch recht beliebige Ansammlung einzelner gut gemachter Songs war, sagte Frontmann Matt Thomson diesmal, sie hätten nach einem „dirtier, grittier, sexier sound“ gesucht. Sie versuchten auch, die Essenz des Blues einzufangen. Herausgekommen ist aber dann doch ein sehr gewöhnlicher Sound.

Nur selten funktioniert dieser wie im eröffnenden Stück „Mother“. Es ist ein Hurrikan aus kakophonen Riffs und heulendem Gesang, ein beißender, Stadion-schüttelnder Rock, der alles ebnet, was sich ihm in den Weg stellt. Letztlich ein brillantes Beispiel dafür, was die Band kann und könnte. Es gibt Songs auf „Future Dust“, die sich größtenteils damit begnügen, ihre melodischen Riffs zu spielen, aber es gibt auch manche Verzierungen, von Falsett-Hintergrund-Gesängen bis hin zu schlanken Rhythmen, die heroisch flimmern und brennen. Matt Thomson’s kristalliner Gesang ist ein Höhepunkt und wird besonders gut für melodischere Momente eingesetzt. 

 

 

„Dark Visions“ ist das beste Beispiel dafür, nicht zuletzt wegen der Gegenüberstellung zwischen den dunklen Texten und den glänzenden Pop-Hooks. Trotzdem bleibt das Album ein bisschen enttäuschend und in Anbetracht der Flut an britischer Gitarrenbands wenig heraushebend. Doch The Amazons sollte man nicht abschreiben, denn sie bleiben auch weiterhin eine Band mit großem Potential, dass sich womöglich erst dann in seiner Vollendung zeigen wird, wenn der ganze Hype um die Band verflogen ist.