Wie eine wattierte, surrealistische Traumlandschaft den grauen Alltag wegspült: Das TARA CLERKIN TRIO fasziniert mit einer jazzigen Flucht aus der Realität.
Eine Klarinette klopft höflich an die Tür, betritt die Szene mit einer beinahe aufreizenden, entschleunigten Gelassenheit. Es ist dieser isolierte, hölzerne Holzbläserton im Eröffnungsstück “What?”, der augenblicklich eine radikale Verweigerungshaltung gegenüber der urbanen Hektik formuliert. Die Musik weigert sich schlicht, am nervösen Puls der Gegenwart teilzunehmen. Stattdessen setzt diese Produktion auf eine merkwürdig zeitlose Entschleunigung, die wie ein bewusster Rückzug aus der Alltagsrealität wirkt.
Das Cover der Veröffentlichung unterstreicht dieses Gefühl der Entfremdung, indem es eine leuchtend blaue, künstlich wirkende Skulptur surreal über einer trist-gewöhnlichen Dachlandschaft schweben lässt. Es bricht die visuelle Realität mit einer absurden Leichtigkeit, die sich in den klanglichen Strukturen spiegelt. Das Tara Clerkin Trio, bestehend aus Tara Clerkin, Sunny-Joe Paradisos und Patrick Benjamin, erschafft hier ein autonomes, scheinbar schwebendes System. Dominic Mitchison zeichnet für die Aufnahme verantwortlich, während Rupert Clervaux im Mastering die Tiefenstaffelung so präzise austariert hat, dass jedes perkussive Element wie ein schützender Kokon wirkt.
Die Stücke funktionieren weniger als abgeschlossene Songs, sondern vielmehr als klangliche Vignetten, die sich traditionellen Songstrukturen konsequent entziehen. In “Gold Bar” wird diese Haltung spürbar, wenn sich die Texturen so verdichten, dass man das Gefühl hat, in warme Seifenlaugen einzutauchen. Repetitive Schleifen und subtile Echo-Effekte bestimmen das Geschehen, während die Vocals wie flüchtige Skizzen durch den Mix wandern. Das Album verharrt in einer faszinierenden Balance aus Lo-Fi-Ästhetik und intimer Jazz-Gelehrsamkeit, getragen von einer unaufgeregten, fast somnambulen Souveränität, die jegliche Aufregung im Keim erstickt.
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