Tame Impala – The Slow Rush

Obwohl er live mit einer fünfköpfigen Band auftritt, werden Tame Impala’s Platten von Parker komplett solo geschrieben, gespielt, gesungen und produziert. Der psychedelische Gitarrenantrieb seines Debüts „Innerspeaker“ aus dem Jahr 2010, stellte den australischen Multiinstrumentalisten als Retter des Rocks dar. Es ist ein Status, den der langhaarige, bärtige 34-Jährige in einigen Bereichen immer noch innehat, obwohl die Musik die er macht, kaum noch Rock-Elemente beinhaltet. Mit jeder Veröffentlichung hat Parker die digitale Technologie und die Klangpalette von R&B, Hip Hop, Elektro und Techno im Dienste seiner Stoner-Grooves weiterentwickelt und anerkannt, dass sich die Essenz der psychedelischen Erfahrung längst von Rock-Arenen zu Tanzclubs verlagert hat.

Nur wenige Künstler in jüngster Zeit haben trotz solch großer Veränderungen einen so starken musikalischen Stempel entwickelt wie Kevin Parker. Über 10 Jahre und jetzt vier Alben hat das widerstrebende Genie eine oft kopierte, selten erreichte Nische geschaffen, die ein jahrzehntealtes Genre aktualisiert und es mit genügend modernen Schnörkeln verbindet, um einen ganz eigenen Raum einzunehmen. Und so hören wir auch auf dem neuen Album „The Slow Rush“ vielschichtige Psychopop-Symphonien – die Art, die gleichermaßen für dunstige Sommerabende, nächtliche Kopfhörermomente und zunehmend für die Tanzfläche entwickelt wurde. Beim Opener „One More Year“ gibt es direkt diese weichen dunstigen Gesänge, die in Sonnenlicht getupft wurden und  abgehackten Trommeln und einer anmutenden R&B-Basslinie folgen.

„The Slow Rush“ ist der Sound einer Band, die sich weiterentwickelt, neue Dinge ausprobiert und gleichzeitig ihren Kern verfeinert. Es ist keine Neuerfindung, aber es tritt auch nicht auf der Stelle. Verträumt und abschweifend schlängeln sich Parker’s Songs und treiben, als würden sie nirgendwo hingehen, bevor sie plötzlich zu Ende sind. Es kann schwierig sein, sich damit auseinanderzusetzen, aber eine solche offensichtliche Eigensinnigkeit hat einen Sinn. Meditative Texte setzen sich mit dem unerbittlichen Lauf der Zeit auseinander und verleihen einen wahnsinnig glückseligen emotionalen Schwung. Auf einem langen, seltsamen und tief bewegenden Stück mit dem Titel „Posthumous Forgiveness“ ruft Parker seinen verstorbenen Vater an. “I wanna tell you about the time… I had Mick Jagger on the phone,” singt er, als wollte er unbedingt eine Verbindung zum Jenseits herstellen. 

„The Slow Rush“ ist eine Platte, die mit einem gewissen Gewicht an Erwartung einhergeht, aber eine leere Leinwand dafür, wie sie klingen könnte. Diesmal ist es nur eine teilweise Neuerfindung, aber es schweben hier genug Edelsteine im Raum herum, die Kevin Parker als den Mann zeigen, der mit einem einzigartigen Zeitgefühl gesegnet wurde.