Clairo – Immunity

Es ist das Debüt der Pop Sängerin Claire Cottrill, die mit einem sehr starken Track beginnt. „Alewife“ beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung in der Freundschaft, spricht offen über Selbstmordgedanken und gibt zugleich thematisch den Ton für die konfessionelle Selbstbeobachtung vor. Die zuvor veröffentlichte Single „Bags“ ist das andere offensichtliche Highlight, obwohl sie nach dem ersten ausgezeichneten Refrain, zugunsten einer erweiterten, gefilterten Piano-Sektion, etwas an Dynamik verliert. Die Sängerin hält das Versprechen von „Immunity“ ein, das ihren Sound erweitert, ohne die Intimität oder den Charme des YouTube Hits „Pretty Girl“ zu beeinträchtigen. 

 

Produziert von Rostam Batmanglij – dem ehemaligen Vampire Weekend Mitglied und bekannt für seine Zusammenarbeit mit Solange, Frank Ocean und Haim – enthält das Album mehr handgespielte Elemente als das Synthie-Album „Pretty Girl“ oder „Flamin Hot Cheetos“ – eine weitere alte Single mit Millionen von Streams auf YouTube und SoundCloud. Danielle Haim spielt Schlagzeug auf mehreren Songs, während Batmanglij neben vielen anderen Instrumenten auch Gitarre, Bass und Mellotron beisteuert. Es gibt Songs auf „Immunity“, die in Bezug auf Melodie, Struktur, Text und Stimmung leicht mit „Pretty Girl“ mithalten können. „North“ ist beispielsweise ein weiterer Gewinner und neben oben genannten einer der besten Songs, den Throwing Muses oder Mazzy Star nie geschrieben haben. 

Wie bei vielen Songwritern in ihrer Generation – darunter Soccer Mommy, Phoebe Bridgers oder Cuco, ist Clairo’s thematische Besessenheit die Liebe: ihre Freuden, ihre Qualen, ihre Lust. “I wouldn’t ask you to take care of me,” singt sie und ergänzt: “Don’t you know that life is rarely ever fair.” Die stilistische Variabilität von Clairo unterscheidet sich von diesen Künstlern Ihres Fachs und während mehr Zeit und Ressourcen für eine zweite Platte nicht unerwünscht wären, bestätigt „Immunity“, dass sie schon jetzt eine ernstzunehmende Künstlerin mit viel Potential ist.