Sun June – Somewhere

Voller Sehnsucht nach verschwundenen Zeiten und Räumen, ist das zweite Album SOMEWHERE von SUN JUNE die wundervolle Kombination aus strahlendem Optimismus und zurückhaltender Melancholie.

Mit dem federleichten Gesang, dem anhaltenden Summen der Synths und der schmucklosen Kick-Drum, die sich irgendwo öffnet, scheinen Sun June genau dort angekommen zu sein, wo ihr starkes und sanftes Debüt „Years“ im Jahr 2018 aufhörte. Im weiteren Verlauf wagt sich das zweite Album jedoch in ein besser arrangiertes, fünfköpfiges Gebiet – möglicherweise sechs mit einem Hauch von Synthesizern und Percussion von Produzent Danny Reisch – eine Qualität, die bei Ihrem Debüt nicht erreicht wurde. „Somewhere“ untersucht, was passiert, wenn Tagträume sowohl zum Spielplatz als auch zum Gefängnis werden. 

Die Sängerin Laura Colwell nannte Manhattan, Los Angeles und New Orleans – überall außer der Heimatbasis der Indie-Pop-Gruppe in Austin – als Erinnerungen und Fantasien, aber wie sie auf der ersten Single „Everything I Had“ zugibt, befindet sie sich immer noch in einer Wohnung, nur drei Türen von Ihrer alten entfernt. In „Karen O“ verkörpert ein junger Mann in einem teuren Anzug Bob Dylan in einem Keller in Brooklyn. Im eröffnenden Stück „Bad With Time“ verspricht Colwell, Jackie O, Patti Smith und Stevie Nicks zu sein, um den potentiellen Liebhaber zu überzeugen, nicht nach Los Angeles zu ziehen. Ihre Lieder mögen voller Vortäuschungen sein, aber ist es manchmal nicht schön, so zu tun als ob?

Oder anders gefragt: Was bleibt uns übrig, wenn wir das Vortäuschen aufgeben? Sun June finden Trost in diesen Wahnvorstellungen, die in einem angemessen weichem, wolkigem Pop gebettet wurden. Die nachdenkliche Musik ist ein Mittel, um die Liebe aus den Augen der Teilnehmer zu betrachten, die in der Freude der neu entdeckten Romantik gefangen sind, während sie etwas misstrauisch und unsicher sind, wohin sie führen soll. Auf „Finding Out“ singt Colwell: „lying on the bed/Yeah I know I started it/But I’m just finding out/Why you do it to me“, und fasst die grundsätzlich zögerliche Natur einer Beziehung zusammen, die gerade zu erblühen beginnt. 

Von den ersten hauchdünnen Zeilen bis zum klagenden, minimalistischen letzten Song behält „Somewhere“ die deutlich schmerzende, intime Form von Sun June bei, selbst in dichteren Abschnitten, die abschließend wie eine ablenkende Erinnerung an uns vorbeischweben. 

8.0