Summer Walker – Still Over It

Die 25-Jährige SUMMER WALKER bittet einige aus ihrer hochkarätigen Freundesliste, sich auf dem neuen Album um sie zu versammeln, darunter Pharrell, SZA und Lil Durk.

Die 23-jährige Sängerin aus Atlanta führt kaum Interviews, und wenn sie es tut, ist es, als würde sie ihren eigenen Widerwillen überwinden müssen. Unterstellt man Summer Walker nun eine gewisse Schüchternheit, dann verschwindet diese auf Ihren Platten spurlos. Hier ist Ihre Stimme voluminös und doch sanft, Ihre Erzählungen gehen unter die Haut. Als die Lyrik einsetzt und der Kopf zu wippen beginnt, wird eines durch das gesamte Werk hindurch deutlich. Ob „Circus“, „No Love“ oder „Unloyal“, jeder Track ist mit zutiefst persönlichen Aspekten aus Summer Walker’s Leben gesät. Geschichten darüber, ob ein Mann aufgrund ihres Körpers, ihrer Mentalität oder ihres Ruhms das Interesse an ihr verloren hat, werden so wortgewaltig vorgetragen, dass wir es selbst in unseren Herzen spüren können. Abgesehen vom Status der Berühmtheit kann man sich damit voll und ganz identifizieren.

“Had me thinking that I was average when you’re really to blame”, erinnert sie sich in „Throw It Away“, vor einer Kulisse aus dekorativen Gitarrenlicks und unkonventionellen Rhythmen. In „No Love“ ergänzt SZA’s Stimme die von Summer wunderbar, da sich beide über ihre erfolglosen romantischen Bestrebungen verbinden. An anderen Stellen fehlt das Schlagzeug vollständig, wodurch ihr talentiertes Songwriting zum Vorschein kommt. Auf „Session 33“, einer Fortsetzung des tränenreichen und verführerisch kurzen „Session 32“, wendet sie sich direkt an den Plattenproduzenten London on the Track – den Vater ihres Kindes und Thema eines Großteils der Platte – hinterfragt seine Loyalität und erinnert ihn an seine Verantwortung als Elternteil. 

Das Album endet mit „Ciara’s Prayer“ und einer hoffnungsvollen Note: ‘’Jesus, I need you. I don’t fully understand everything right now, but I know you have great plans for me. I’m hurting, but there’s purpose in my pain.’’ Insgesamt ist das Album brutal offen und dennoch romantisch, es ist verwirrend und dennoch sexy, es ist alles, was sich jede Hörerin und jeder Hörer nur wünschen kann.

8.0