Scissor Sisters – Night Work

Gehört man zu den Menschen, die gerne und leidenschaftlich nach skurrilen wie ausgefallenen Covern suchen, darf man sich in diesen Tagen glücklich schätzen. Denn ein neues Bild könnte in die Sammlung eingeführt werden, ein Bild welches erstmal die Frage in den Raum wirft: Gehört dieser Knackarsch einem Mann, oder einer Frau? Um das herauszufinden berurteilt man nun entweder die Hände, oder liest das Folgende aufmerksam durch: Das Artwork zeigt den Po des Broadway-Tänzers Peter Reed und wurde 1980 von dem verstorbenen Kult-Fotografen Robert Mapplethorpe (1946-1989) mit einer Reihe weiterer Bilder für das US-Magazin ‘After Dark’ geschossen. Reed starb 1994 im Alter von 40 Jahren an AIDS. Das die Scissor Sisters damit unterschiedliche Reaktionen in die Mundwinkel der verschiedenen Leute zeichnen würden, war natürlich vor der Veröffentlichung eine wohlüberlegte Provokation. Und doch wirkt das Plattencover auf seltsame Art und Weise klassisch. Eigentlich wäre das dritte Studioalbum ‚ Night Work ‚ wesentlich früher erschienen, wie Sänger Jake Shears in einem Interview erzählte: „If it wasn’t something we could fully get behind and believe in, I think the band was going to be over.“ Daraufhin machten sich die Scissor Sisters mit Produzenten Stuart Price an die Arbeit und kreierten schlussendlich ‚ Night Work ‚ mit zwölf neuen Tracks und einer gleichnamigen Single, die unkompliziert und rhythmisch in die Gehörgänge eindringt. ‚ Fire With Fire ‚ ist eine freche erste Singleauskopplung, mit einem senkrechten Start an die Spitzen sämtlicher Charts. Der Song eröffnet als Pianoballade, nimmt stetig an Schwung auf, greift nach den Sternen und erinnert spätestens gegen Ende auch ein wenig an die Strukturen von ‚ Human ‚ der Killers. Aber wen sollte es an dieser Stelle wundern, schließlich war an beiden Tracks Stuart Price mit von der Partie. Insgesamt bietet die neue Platte jede Menge Spaß, textliche Doppeldeutigkeiten, frivoles Disco-Flair und verruchte Anzüglichkeiten in Tracks wie ‚ Any Which Way ‚ und ‚ Sex And Violence ‚. Besonders der erste Track projiziert einen geistigen Selbstläufer vor unseren Augen mit pinken Stirnband, engen Panties und einem leuchtenden Shirt mit Worten „I’m A Bitch!“ auf der Brust. Dazu eine Discokugel oben an der Decke, wabbernde Nebelschwaden am Boden und einen voll-ausgestatteten Stepper in Mitte des Raums. Sehr einprägsam gestaltet sich ebenfalls ‚ Running Out ‚, während ‚ Something Like This ‚, ‚ Skin This Cat ‚ und ‚ Skin Tight ‚ den etwas schwächeren Mittelteil auf ‚ Night Work ‚ ausfüllen. Eine scharfe Mischung wird erst wieder gegen Ende mit ‚ Night Life ‚ angerührt und ‚ Invisible Light ‚ überzeugt mit seinem Gast Ian McKellen. ‚ Night Work ‚ leistet schlussendlich ganze Arbeit, wirkt durchgehend lebhaft, facettenreich und emotional. Und so steht wohl auch der nächtlichen Trainingseinheit im Fitness-Studio nichts mehr im Wege.