RENEé RAPP BITE ME
Zwischen Selbstironie, Queer-Glam und Pop-Rock-Exzessen: Wie RENEÉ RAPP auf BITE ME ihre chaotische, lustvolle und ungebremste Seite in Songs verwandelt, die zwischen verletzlicher Direktheit und übermütiger Theatralik pendeln.
Reneé Rapp hat keine Lust auf Zurückhaltung – weder in Interviews noch in ihrer Musik. Mit „BITE ME“ legt die 25-jährige Sängerin aus Huntersville, North Carolina, ein zweites Album vor, das ihre verschiedenen Identitäten wie ein überfüllter Kleiderschrank aneinanderreiht: mal grell, mal verletzlich, mal trotzig, mal hemmungslos. Bekannt aus Broadway („Mean Girls“) und der HBO-Serie The Sex Lives of College Girls, verlässt sie hier endgültig den sicheren Schauspielrahmen, um als Popkünstlerin ihre eigenen Eskapaden in Szene zu setzen. Schon das Cover – ein Close-up, Haare wirr im Gesicht, der Blick zwischen Provokation und Überdruss – ist wie ein Standbild aus einem Song: die Mischung aus „lass mich in Ruhe“ und „schau mich an“.
Der Opener „Leave Me Alone“ knallt wie eine Champagnerkorke nach einer langen Nacht. „Bitch, I wanna have fun“ – zwischen Bassläufen und frechen Reimen zieht Rapp eine klare Grenze: keine Rechtfertigung, keine Rücksicht. „Mad“ dreht das Spiel um, verpackt Frust und sexuelle Spannung in Zeilen wie „We could’ve been cute and we could’ve been stupid“ und zeigt, wie sie aus Beziehungsschrott noch eingängige Hooks baut. Mit „Why Is She Still Here?“ gönnt sie sich eine dramatischere Geste – eine moderne Torch-Song-Nummer, die ihre stimmliche Kraft in vollem Glanz zeigt. Im Mittelteil flirtet „Kiss It Kiss It“ mit 80s-Synths und Disco-Country-Touch, während „Good Girl“ die Neonlichter der Tanzfläche reflektiert.
„Shy“ kombiniert Pop-Rock-Energie mit entwaffnender Direktheit – halb kokett, halb Bekenntnis. Selbst Balladen wie „Sometimes“ oder das spöttische „That’s So Funny“ streuen genug Persönlichkeit ein, um nicht in reiner Melodramatik zu versinken. Am Ende schlägt „You’d Like That Wouldn’t You“ noch einmal in die Kerbe des sarkastischen Trennungsmanifestes: bissig, laut, unwiderruflich. „BITE ME“ ist kein homogenes Pop-Werk – zu sprunghaft, zu stilistisch wechselhaft. Aber genau in dieser Unordnung liegt der Reiz: Es ist eine Platte, die sich wie eine wilde Nacht anfühlt, in der man zwischen Clubs, Diner und Beziehungsdramen taumelt. Reneé Rapp inszeniert ihr Chaos als Stärke – und wenn sie ruft „Come on and cross my heart and hope to die / I’m thinking somewhere in between your thighs“, dann weiß man: Sie ist noch lange nicht fertig.
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