Misuk – Misuk

Mit dem Eröffnungsstück zum selbstbetitelten Debütalbum von Misuk sind es die elektronischen Beats, die uns freudig erregt anspringen und einen herrlich erfrischenden Rhythmus aufnehmen, der aus der lyrischen Sicht gesehen zeitloser nicht sein könnte: „Das Geld ist gut/ Auf das Geld gib acht!/ Die Menschen fangen einander mit Schlingen/ Gross ist die Boesheit der Welt/ Darum sollst du dir Geld erringen/ Denn groesser ist ihre Liebe zum Geld.“ Und ebenso wahr, Geld spaltet die besten Beziehungen auseinander. In jedem Fall ein famoser Auftakt und auch der weitere Verlauf ist alles andere als unglamourös. Denn dafür sorgt Sängerin und Schauspielerin Eva Gold, die zusammen mit Produzent Girisha Fernando sich erstmals im Jahr 2009 für das Konzert auf dem Brechtfestival gründeten. Und aus dem damaligen Impuls entstand bald eine kontinuierliche künstlerischer Arbeit. Aber weil diese Zeilen gerade in die Vergangenheit blicken, muss natürlich Bertolt Brecht erwähnt werden – dessen Texte sind auf dem Album zu hören und während diese Zeilen entstehen, befinden wir uns mitten in ‚ Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit ‚. Dementsprechend säuselt der Gesang um angeheizte Rhythmen, während die groovenden Beats geschmeidig Ihre sexy Hüften um die Brecht-Texte kreisen lassen. Es ist ohne Zweifel eine sehr gewagte Neuinterpretation, doch wer bisher nichts von der einflussreichen deutschen Popkultur-Ikone des 20. Jahrhunderts gehört hat – nun wäre die allerbeste Gelegenheit dazu. Es erinnert mich übrigens von der Idee her an ‚ Songs aus Die Dreigroschenoper ‚. Es war ebenfalls eine Neuinterpretation von fünf Liedern aus dem gleichnamigen Theaterstück von Kurt Weill und Bertolt Brecht aus dem Jahr 2006. Aber war es dort griffige Rock-Musik, ist es bei Misuk elektronische Club-Musik und Easy Listening – die manchmal auch sehr geschickt mit akustischen Elementen kombiniert wurde. Und dank eines untrüglichen Harmoniegespürs, bündeln die Songs beständige Ohrwürmer der hartnäckigen Sorte.