Peter Doherty – Grace/Wastelands

Pete Doherty – ein Mann und so viele Geschichten. Aufgewachsen in dem bescheidenen Örtchen Hexham, verbrachte er die Kindheit bei seinem Vater und besuchte später die Schule in Bedworth. Später zog er nach abgebrochener Uni zusammen mit seinem Freund Carl Barât in eine Londoner Wohnung und gründete die Libertines. Diese, wie wir ja nun wissen, haben sich seit einem gefühlten Jahrzehnt aufgelöst und es entstanden, wie der Phoenix aus der Asche, die Babyshambles mit Pete und die Dirty Pretty Things mit Carl. Letztere mussten wegen mangelnden Erfolg im Oktober letzten Jahres die Auflösung bekanntgeben. Während unser Pete in dieser Zeit fleißig neue Stücke für sein vielversprechendes Solo-Debüt ‚ Grace/Wastelands ‚ schrieb, gab es immer wieder kleine Songschnipsel und Demos bei denen man aber nie so genau wusste, ob sie denn nun für das Album bestimmt sind oder nicht. Diese ganzen Fragen gehören aber nun entgültig der Vergangenheit an. Pete Doherty meldet sich mit zwölf Songs zurück und beweist wieder einmal mehr seine überragenden Songwriter Qualitäten. Auch besitzt er, so sehr sich die Geister an Ihm auch spalten mögen, das gewisse Etwas und diese Eigenschaft kann dem jungen Engländer niemand absprechen. Neben der Spur wandelt Pete ja meistens, aber jederzeit irgendwie besonders. In ‚ New Love Grows On Trees ‚ steckt zusätzlich sehr viel Seele und Leidenschaft und könnte auch zum Repertoire der Babyshambles gehören. Überhaupt strahlt die Platte eine ungeheuere Intensität aus, tingelt ständig zwischen Ambivalenz, Nachdenklichkeit und Wut. An den Oberflächen hält sich Doherty nur selten auf, sanft dringen Streicher-Arrangements in unser Inneres und füllen es anschließend mit warmen Gitarrenakkorden in ‚ A Little Death Around The Eyes ‚. Ganz anders sieht es dagegen in ‚ I Am The Rain ‚ aus, schüchtern sucht es seine Wege in der glänzenden Dunkelheit. Nur langsam gewinnt der Song an Sicherheit, wird lebhafter und ungestümer, die bohrenden „Ohhh Ohhh“ Rufe bäumen sich gegen Ende ein Letztes mal auf, bevor der Vorhang auch diesen Teil in ‚ Grace/Wastelands ‚ für beendet erklärt. Aber für uns geht es natürlich weiter, genauer gesagt mit einer heiteren Swing-Nummer, die man selbst dem duchgeknallten Pete in dieser Form nicht zugetraut hätte. Abgesehen von diesen Songs bleibt Doherty aber erstaunlich ernst. Die weitgehend akustisch eingespielten Stücke zeigen auf verblüffend einfache Weiße was er am Besten kann: Musik machen. Und das er mehr als konzentriert bei der Sache war, kann nach Anbetracht der zwölf Songs ohne Zweifel bestätigen werden. Pete Doherty bleibt ein wahrer Alles-Könner in seinem Fach und neben viel Erfolg für sein Solo Debüt, wünschen wir Ihm natürlich noch ein langes und gesundes Leben – denn auch mit den Babyshambles soll bereits in diesem Jahr eine neue Platte produziert werden.