Nathaniel Rateliff – And It’s Still Alright

Nathaniel Rateliff schreibt wieder über seine eigene Verwundbarkeit, anstatt anderen Leuten Geschichten zu erzählen. Alle Erzählungen werden wieder in einem schwärmerischen Gebrüll vorgetragen, das ihm hilft, sich an die Spitze des riesigen Singer-Songwriter-Haufens zu setzen. Rateliff war zuvor erfolgreicher Frontmann der Americana / Soul-Band The Night Sweats. Fans feiern die Gruppe für ihre energiegeladenen Live-Shows. Er hat nun eine Pause von der Band eingelegt und eine nüchternere Solo-Veröffentlichung herausgebracht, die vom Tod seines Freundes und Musikerkollegen Richard Swift, dem Ende seiner Ehe und anderen negativen Lebenserfahrungen inspiriert ist. Rateliff nahm das Material in Swift’s Atelierhaus in Oregon auf. Der Titel des 10-Track-Albums „And It’s Still Alright“ deutet darauf hin, dass es Freude nach Schmerzen gibt, aber der Inhalt des Albums weist auch darauf hin, dass das Gegenteil der Fall ist.

Anstatt in der Hoffnungslosigkeit zu verweilen, ist ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar und als Ergebnis ist diese Veröffentlichung völlig von Anfang bis zum Ende nachvollziehbar. Musikalisch, und es ist immer noch in Ordnung, überschreitet er nie das Tempo und spielt mit Elementen aus Folk, Country und sogar ein wenig Jazz, was zum Teil der Gitarrenarbeit der Backing-Band Luke Mossman von Night Sweats und der Arbeit des Multiinstrumentalisten Eric Swanson zu verdanken ist. Es ist eine spätabendliche Höraufnahme, die in der Umgebung der menschlichen Psyche bei Kerzenschein spielt und eine ruhige Atmosphäre ausstrahlt. Dies gilt insbesondere für Tracks wie „Expecting to Lose“ und „You Need Me“. Die Zeilen werden mit einer beschwingten Melodie geliefert, der es Rateliff ermöglichen, Sätze wie: „Are you telling me now In the middle of the shit fuck you“ mit der gleichen Lässigkeit auszudrücken, die er den „doo doo doos“ in anderen Versen mit gibt. 

Das letzte Lied des Albums – und es ist das längste – das sechsminütige „Rush On“ schreitet langsam voran. Rateliff singt mit einer großen Stimme, die sich in den ersten vier Minuten vor Emotionen beinahe überschlägt und schmerzt, bis sich das Lied in eine instrumentale Trauererklärung verwandelt. Die letzten zwei Minuten des Tracks, und damit auch der Platte, drücken Angst und Elend aus. Es hat etwas brutal Ehrliches, das Album auf diese Weise zu beenden. Zugleich ist „And It’s Still Alright“ eine würdige Fortsetzung zu Nathaniel’s „Falling Faster Than You Can Run“ aus dem Jahr 2013.