MON LAFERTE SEIS
MON LAFERTE öffnet mit SEIS ein bewusst traditionelles Klangfenster, verankert persönliche Dringlichkeit im regionalen Erbe Mexikos und riskiert dabei Reibung, Pathos und formale Überdehnung
Mit „SEIS“ vollzieht Mon Laferte eine klare Setzung. Das Album ist kein eklektischer Streifzug, sondern eine entschiedene Hinwendung zu regionalmexikanischen Formen, getragen von Ranchera, Bolero, Mariachi und Banda. Diese Entscheidung folgt einer biografischen Logik, gespeist aus dem Leben in Tepoztlán und der Auseinandersetzung mit der Tradition, die Chavela Vargas verkörperte. Der Zugriff bleibt respektvoll, zugleich persönlich, was der Platte eine innere Notwendigkeit verleiht, die über stilistische Neugier hinausreicht.
Der Auftakt „Se Me Va A Quemar El Corazón“ etabliert den Ton: eine leidenschaftliche Klage, in der Schmerz nicht dekorativ wirkt, sondern als treibende Kraft. Laferte nutzt ihre Stimme mit dramatischer Präzision, phrasiert kontrolliert und lässt Brüche zu. Dieses Spannungsfeld trägt das Album über weite Strecken. In „Aunque Te Mueras Por Volver“ gelingt eine elegante Verbindung aus filmischer Nostalgie und zeitloser Melancholie, während „Canción Feliz“ die Ambivalenz zwischen Trost und Selbstironie hörbar macht. Die Texte bleiben konkret, oft schneidend direkt, etwa wenn Besitzansprüche und emotionale Abhängigkeit benannt werden, ohne ins Didaktische zu kippen.
Die prominenten Kollaborationen sind funktional eingebunden, nicht als Prestigeornament. „La Mujer“ mit Gloria Trevi gewinnt durch das vokale Kräftemessen an Schärfe und thematischer Klarheit, verliert zeitweise an Subtilität. „Que Se Sepa Nuestro Amor“ mit Alejandro Fernández verdichtet die Programmatik des Albums in einem klassischen Rahmen, der überzeugt, zugleich wenig Risiko eingeht. Problematischer wirkt die Länge des Albums. Über vierzehn Stücke schleichen sich Wiederholungen in Motivik und Tempo ein, was die dramaturgische Kurve abflacht. Auch die politische Geste von „La Democracia“ bleibt musikalisch einfacher als ihr Anspruch.
„SEIS“ ist ein konsequentes Werk, dessen Stärke in der Ernsthaftigkeit liegt. Es gewinnt durch vokale Präsenz und stilistische Klarheit, verliert an Schlagkraft durch Überlänge und gelegentliche formale Redundanz.
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