MON LAFERTE entflichtet Herkunft und Pose zu einem ambitionierten, widersprüchlichen Album zwischen folkloristischem Anspruch, Popinstinkt und emotionaler Wiederholung, das viel will und nicht alles trägt.
„La Trenza“ erscheint in einer Phase, in der Mon Laferte ihren Platz im lateinamerikanischen Pop längst gefunden hat und zugleich spürbar an ihm reibt. Nach dem Erfolg von „Mon Laferte, Vol. 1“ wächst der Wille, Herkunft nicht nur als biografische Fußnote zu behandeln, sondern als ästhetisches Material. Das Album versteht sich als Annäherung an chilenische und andine Traditionen, öffnet sich zugleich für lateinamerikanische Popformen und kalkulierte Kollaborationen. Diese Doppelbewegung prägt das gesamte Werk: Suche nach Verwurzelung auf der einen Seite, strategische Anschlussfähigkeit auf der anderen.
Der Auftakt mit „Pa’ Donde Se Fue“ deutet diese Richtung überzeugend an. Charango und Bläser schaffen einen raueren Tonfall, der nicht folkloristisch dekoriert wirkt, sondern strukturell in den Song eingebettet ist. In solchen Momenten entfaltet das Album seine stärkste Qualität. Auch „Cielito de Abril“ überzeugt durch Zurücknahme. Die Zusammenarbeit mit Manuel García erlaubt eine fragile Intimität, die weder auf Effekt noch auf Pathos angewiesen ist. Hier wirkt Laferte konzentriert, stimmlich kontrolliert und inhaltlich klar.
Dem stehen zahlreiche Stücke gegenüber, die thematisch kaum über bekannte Beziehungsmuster hinausreichen. „Mi Buen Amor“ mit Enrique Bunbury besitzt vokale Wucht, bleibt textlich erwartbar und instrumental erstaunlich konventionell. „Amárrame“, gemeinsam mit Juanes, funktioniert als tanzbarer Cumbia Popsong, wirkt im Albumkontext jedoch mehr wie ein kalkulierter Zugriff auf Reichweite als wie eine notwendige Erweiterung der Idee. Ähnliches gilt für „No Te Fumes Mi Marihuana“, dessen spielerischer Gestus kurzzeitig unterhält, die dramaturgische Linie des Albums aber weiter verwässert.
Im Verlauf verdichtet sich der Eindruck einer inhaltlichen Wiederholung. Liebe erscheint in immer neuen Variationen, ohne dass sich Perspektiven entscheidend verschieben. Die angekündigte Annäherung an folkloristische Traditionen bleibt fragmentarisch. Statt einer konsequenten Durchdringung entsteht ein Nebeneinander aus ambitionierten Ansätzen und sicheren Rückgriffen. Das Albumcover verstärkt diesen Eindruck: Die bewusst inszenierte Selbststilisierung zwischen Verletzlichkeit und Ikonografie spiegelt exakt den inneren Konflikt des Albums. Intimität wird behauptet, während die Pose stets präsent bleibt.
„La Trenza“ ist kein gescheitertes Album. Es enthält starke Einzelmomente und dokumentiert eine Künstlerin, die sich nicht mit Wiederholung zufriedengibt. Gleichzeitig fehlt dem Werk die konsequente formale Entscheidung. Zu viele Songs dienen der Absicherung, zu wenige treiben den eingeschlagenen Weg wirklich voran. Was bleibt, ist ein ambitioniertes Album mit erkennbarem Willen zur Erweiterung, dessen innere Notwendigkeit sich nicht über die gesamte Laufzeit einlöst.
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