Moby – Wait For Me

Ja was tut man als etablierter Künstler nicht alles, um sich nach Jahren des Erfolgs auch weiterhin unabhängig und authentisch durch die Musiklandschaften zu spielen. Manche reißen aus festgefahrenen Beziehungen aus, gründen ein selbstständiges Plattenlabel und meiden die Großaufläufe vermeintlicher Stars und Sternchen auf diversen roten Teppichen. Vielleicht laufen diese Dinge auch Hand in Hand miteinander. Hinzu kommt jedenfalls eine bis dahin fremd gewordene Bescheidenheit und schlussendlich puhlt sich aus diesen vielen Einzelteilen der neue Moby heraus.Moby, dessen Name auf dem neuen Plattencover nur ganz winzig klein unten rechts zu finden ist. Doch sind wir mal ehrlich, wem ist dieses traurig dreinsehende Ufo-Mars-Knuddel-Irgendwas auf dem Booklet noch fremd? Bekannt geworden durch ‚ Why Does My Heart Feel So Bad ‚, Moby´s größtem Hit und zugleich größtem Fluch. Er wird immer noch danach bemessen und das, obwohl nun fast zehn Jahre zwischen damals und heute vergangen sind. Und deshalb ist nun die Zeit reif, Abstand zu gewinnen, sich aus der Öffentlichkeit zu nehmen und still zu Hause an einer neuen Platte zu arbeiten. „I recorded the album here in my studio on the lower east side. In the past I’ve worked in large and small studios, but for this record I wanted to record everything at home by myself“. Gesagt getan. Moby spricht damit den kommerziellen Charakter ab, will sich mit ‚ Wait For Me ‚ neu verwirklichen und läuft insgeheim doch dem äußerst erfolgreichen ‚ Play ‚ hinterher. Vor einem Jahr begannen mit Hilfe von David Lynch die Arbeiten zum neuen Album und zur ersten Single ‚ Shot In The Back Of The Head ‚, das ebenfalls von Lynch kreiert wurde und als Gratis Download Mitte April zum herunterladen bereitstand. Der Song rückt dabei mehr in die Nebenrolle, während undurchdringliche Schwarz-weiß Kritzeleien im dazugehörigen Video für spürbar ungemütliche und mit viel greifbarer Atmosphäre die Stimmung auf ‚ Wait For Me ‚ zu verdichten versuchen. Mit deutlichem Erfolg gelingt Ihm das auch, wenn erstmal die komplexen Strukturen ineinandergreifen und Shoegaze- Nebulösitäten der besonderen Art beim Hörer auslösen. Doch wie bereits erwähnt, verliert sich Moby zu oft in den Träumen längst vergangener Tage und traut sich trotz guten Ansätzen meist zu wenig. Die Gedanken funktionieren und erschaffen starke Momente, nur mit der Ausführung will es eben manchmal nicht so recht klappen. Aber insgesamt darf sich das neunte Album zu einem der besseren in der langen Diskographie von Richard Melville Hall alias Moby zählen. Es versprüht fast durchgehend einen ganz eigenen Charme, ambiente Soundcapes in ‚ Scream Pilots ‚ und emotionale Klavierläufe in ‚ A Forest ‚ runden ‚ Wait For Me ‚ bestens ab und erzeugen schlussendlich auch beim Hörer, ein wohlwollendes und zufriedenes Gefühl im Bauch.