Mavis Staples – We Get By

Mavis Staples wird im Juli 80 Jahre alt. Staples war Zeuge der großen Veränderungen bezüglich der ethnischen Beziehungen, die im amerikanischen Leben stattgefunden haben. Sie ist aber nicht zufrieden. Staples macht dies bereits zu Beginn ihrer neuen Solo-Veröffentlichung „We Get By“ deutlich. Die ersten Worte die sie singt, lauten „gotta change around here“ und sie wiederholt diese Zeile mehrmals auf ihrem neuen Album. Das ist kein große Überraschung, war sie doch schon immer eine überzeugende Aktivistin. Was aber überrascht, mit welcher Frische diese Botschaft von Staples in unsere Gehörgänge dringt. Ein Teil davon ist auf ihre Bereitschaft zurückzuführen, mit zeitgenössischen Musikern, in diesem Fall Ben Harper, zusammenzuarbeiten. Während der fast 50-jährige Harper natürlich kein junger Mann mehr ist, hat er aber den Großteil seiner erfolgreichen Arbeit in diesem Jahrhundert geschrieben.

 

https://youtu.be/Z4Ks9w3PNxM

 

„We Get By“ wurde von Harper produziert und ist im Duett mit Staples im beruhigenden Titelsong zu hören. Für die anderen Songs überlässt Harper Staples und ihrer vertrauten Hauptband die Bühne, wobei Jeff Turmes’ flüssige, leicht schaukelnde Basslinien etwas mehr betont werden, als noch in den Sessions 2010-2017. Harpers’ eigene Texte, die alle neu sind, stimmen mit den Themen überein, die in der gesamten Staples-Diskographie behandelt wurden – unerschütterlicher Glaube, Trost und Ermutigung, Beharrlichkeit und progressives Handeln. Besonders kraftvoll ist das aufgewühlte „Brothers and Sisters“ und das sanft rockende „One More Change“. Auch der Rest wird von melodischen, sympathischen und einfühlsamen Melodien geprägt. 

Es ist ungewöhnlich, wenn man über legendäre Künstler spricht und die Empfehlung ausspricht, dass Neulinge mit ihrer aktuellen Veröffentlichung beginnen sollten. Aber im Falle des phänomenalen „We Get By“ macht es durchaus Sinn, hier zu beginnen und sich anschließend zurückzuarbeiten.

 

9.7