Matt Berninger – Serpentine Prison

Obwohl weniger abenteuerlustig als die letzten Ausflüge seiner Band, hilft die neue Leichtigkeit von MATT BERNINGER der Musik dabei, die Dunkelheit zu erhellen.

Produziert wurde das erste Soloalbum von Matt Berninger, den die meisten als Gründungsmitglied der Ohio Alt Rock Truppe The National kennen werden, von Booker T. Jones – einem erfahrenen Mann, der auch mit Otis Redding, Willie Nelson, Sheryl Crow, Elton John und vielen weiteren namhaften Künstlern zusammengearbeitet hat. Wie üblich lud Berninger mehrere etablierte Gäste ein, um das Album zu verfeinern, darunter Andrew Bird, Gail Ann Dorsey, Mickey Raphael, Hayden Desser und sogar die Bandkollegen Scott Devendorf, Kyle Resnick und Ben Lanz. Das Endergebnis weicht nicht zu weit von seiner erkennbaren The National Ästhetik ab, neigt aber auch ein bisschen mehr zur bescheidenen Country Rock Melancholie. 

Nicht jeder Track ist gleichermaßen verlockend – und es könnte insgesamt mehr Abwechslung geben – aber es besteht kaum ein Zweifel daran, dass er auf frische und vertraute Weise festhält, was Berninger am besten kann. Sein herbstlicher Klang und seine etwas spärliche Umgebung vermitteln ein schwer fassbares Ambiente – eindringlich und doch seltsam überzeugend zugleich. Dies gilt insbesondere für Songs wie das launische und mürrische „One More Second“, das einsame Stück „Distant Axis“ und das ruhige, aber unsichere „Take Me Out of Town“. „Color of Your Shirt“ und „Oh Dearie“ sind im wesentlichen Liebeslieder, die mit Unsicherheit und stiller Besinnlichkeit geschrieben wurden.

Gesanglich gibt sich Berninger hier von seiner besten Seite. Es gibt nichts, was den wilderen Wutanfällen von The National wie „Abel“ oder „Mr November“ nahe kommt, aber wenn wir einen Vergleich mit frühen National-Songs ziehen wollen, dann könnte man vielleicht in diesem Zusammenhang an „About Today“ oder „Baby We’ll Be Fine“ denken. Aber dies ist kein National Album, sondern ein Matt Berninger Album und seine Stimme profitiert von Reife, ist sicher und beruhigend. Seine Stimme ist in „Silver Springs“ am unerwartetsten – oder vielleicht traditionellsten – und im Duett mit Gail Ann Dorsey, die in den späteren Jahren als David Bowie’s Bassistin bekannt wurde, atemberaubend. Ihr Gesang auf dem Album „I Am Easy To Find“ von The National aus dem Jahr 2019 bewies, wie perfekt ihre Stimmen zusammenarbeiteten, und „Silver Springs“ ist keine Ausnahme.

Es ist letztlich eine wirklich wunderschöne Platte – vom Albumcover bis zur perfekt ausbalancierten Reihenfolge ist hier nichts fehl am Platz. Matt Berninger wollte kein Soloalbum schreiben. Aber Gott sei Dank hat er es getan.