Mark Lanegan Band – Somebody’s Knocking

Das 11. Studioalbum von Mark Lanegan wurde über 11 Tage in Los Angeles aufgenommen und bringt uns in den ersten beiden Tracks den vertrauten Sound auf die Ohren. Es lässt sich daraus entsprechend nur wenig darauf schließen, dass sich seit der Platte „Gargoyle“ etwas geändert hat. „Disbelief Suspension“ und „Letter Never Sent“ rumpeln beide zusammen mit dem vertrauten Sound, den wir von Lanegan erwarten, aber dann beginnen sich die Dinge zu ändern. Bei „Night Flight To Kabul“ wirkt plötzlich alles geschärft und reduziert. Das Drum-Intro erinnert an die Produktion von Duran Duran, während der dröhnende Bass und die einfachen, aber prägnanten Gitarrenlinien direkt aus den regennassen Straßen von Manchester stammen, in denen einst Joy Division lebten.

Wenn Offenherzigkeit nicht der Begriff ist, den man typisch für Lanegan’s Produktion verwenden würde, obwohl sich seine Tugenden manifestieren mögen, dann hat dieses Album gelegentlich etwas Knabenhaftes an sich, das sich sehr leicht erwärmen lässt. „Penthouse High“ ist ein Überbleibsel aus den Gargoyle-Sessions und es ist auffällig, dass es schärfer und leichter ist als die Songs, die für diese Platte komponiert wurden. Das heißt nicht, dass es nicht passt, sondern dass es eher einen glänzenden Pet Shop Boys-artigen Synth-Sound hat und weniger die schummrigeren, fettigeren Töne dieser Platte. „Stitch It Up“, das erste Lied von Lanegan das live gespielt wurde, ist eine hyperaktive Explosion von Schallschrapnellen, krustig und verschwommen und schweißnass.

„Dark Disco Jag“ ist genauso ahnungsvoll, wie der Titel vermuten lässt. Der pulsierende Beat und die hallenden Gitarren sind bis auf die Knochen reduziert und bieten Lanegan einen wirbelnden, dunklen Raum, in dem Joy Division auf uns warten. Textlich bewegt sich Lanegan zwischen der Realität und einer traumhaften anderen Welt. Dies ist ein Album voller Geister und verschwommener Bilder. Das Gefühl der Isolation, das Lanegan in seine Musik und Texte gesteckt hat, wird durch die Einflüsse, die er nutzt, wunderbar unterstützt. Das Ergebnis ist ein Album, das sich sowohl aktuell als auch historisch anfühlt. Ein Album mit dem Maximum an Intensität.