A$AP ROCKY AT.LONG.LAST.A$AP
AT.LONG.LAST.A$AP von A$AP ROCKY entfaltet sich als dunkles, ambitioniertes Rapalbum zwischen Trauer, Rausch und Selbstbehauptung. Es überzeugt mit starken Einzelmomenten, verliert dabei an Kraft durch fehlende innere Verdichtung. Die Produktion sucht Tiefe, während das Album strukturell zu oft ausweicht.
Ein schweres Schweben legt sich über die Musik, ein Zustand zwischen Anspruch und Selbstinszenierung, der mehr verspricht als er jederzeit einlöst. Im Zentrum dieses Albums steht A$AP Rocky, dessen zweites Studioalbum „AT.LONG.LAST.A$AP“ weniger als Fortsetzung eines Siegeszuges angelegt ist, sondern als Versuch, Bedeutung zu behaupten. Nach dem Aufstieg mit „Long.Live.A$AP“ und der ästhetischen Überhöhung seiner Persona steht dieses Werk unter dem Eindruck eines Einschnitts: Der Tod von A$AP Yams, Mentor und ordnende Kraft, verändert die innere Statik des Projekts. Die Musik reagiert darauf mit Weitung, mit Dunkelzonen, mit einer auffälligen Offenheit für Brüche. Diese Offenheit trägt nicht immer, sie ist aber der Kern des Albums.
Früh wird deutlich, dass das Projekt stärker kuratiert als fokussiert ist. Danger Mouse prägt große Teile der Klangarchitektur mit staubigen Gitarren, verschleppten Rhythmen und einer Atmosphäre, die mehr Raum behauptet als sie füllt. Stücke wie „Holy Ghost“ oder „Pharsyde“ versuchen, Spiritualität und urbane Müdigkeit in ein Verhältnis zu setzen, das sprachlich ambitionierter ausfällt als in früheren Arbeiten. Zeilen wie „Passed away from a stray from some fake tough guy“ markieren reale Beobachtung, bleiben dennoch isolierte Momente innerhalb eines Albums, das seine Themen selten konsequent bündelt.
An einer frühen Stelle klärt das Albumcover einen zentralen Widerspruch: Die überzeichnete Nähe des Gesichts, die Mischung aus Schmerzpose und ikonischer Selbstbehauptung, verdichtet das Spannungsfeld zwischen Verletzlichkeit und kalkulierter Theatralik. Diese Ambivalenz zieht sich durch das gesamte Album. „LSD“ übersetzt Rausch in schwebende Popflächen, ästhetisch geschlossen, inhaltlich leer. „Everyday“ setzt auf prominente Namen und große Gesten, verliert sich allerdings in Übergängen, die keine innere Notwendigkeit entwickeln. Stärker ist das Album dort, wo Kollaborationen Reibung erzeugen. „Jukebox Joints“ profitiert von Kanye West’s fokussierter Präsenz, „Electric Body“ gewinnt durch Schoolboy Q an Körper.
Joe Fox erweist sich als eigenwilliger Fixpunkt, dessen wiederholte Auftritte dem Album eine fremde, fast fragile Textur verleihen. Diese Entscheidungen entfernen sich bewusst vom Zeitgeist, sie ersetzen ihn hingegen nicht durch eine eigene Stringenz. „AT.LONG.LAST.A$AP“ ist ein Album voller Ansätze, das Atmosphäre über Argument stellt und Identität behauptet, ohne sie vollständig zu formen. Es zeigt einen Künstler im Übergang, hörbar bemüht um Tiefe, gefangen in der eigenen Kuratierung. Das Ergebnis ist respektabel, stellenweise fesselnd, in seiner Gesamtheit aber zu fragmentiert, um als zwingendes Statement zu bestehen.
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