MADELEINE COCOLAS Syndesis
Zwischen Erinnerung, Klang und Herkunft: Wie MADELEINE COCOLAS auf SYNDESIS mit Field Recordings aus Griechenland ein tiefes Geflecht aus Ambient, Erinnerungskunst und persönlicher Geografie erschafft.
Madeleine Cocolas ist keine Künstlerin, die einfache Wege sucht. Seit Jahren arbeitet die in Australien lebende Komponistin an der Schnittstelle von Sound Art, Filmkomposition und intimen Klangforschungen. Ihr neues Album „Syndesis“, veröffentlicht auf dem renommierten Label Room40, ist mehr als eine bloße Sammlung ambienter Stücke: Es ist die Rückkehr in ein Land, das für sie familiäre Wurzeln trägt, zwei Jahrzehnte nach ihrem ersten Besuch. Griechenland wird hier nicht als touristisches Motiv, sondern als akustisches Archiv einer biografischen Spurensuche begreifbar.
Die sechs Stücke schöpfen aus Feldaufnahmen, die Cocolas in Athen, Nafplio oder Mykene gesammelt hat: das Rauschen des Wassers am Bourtzi-Fort, das Schlagen der Glocken von St. Georg, das Flüstern des Windes über der Akropolis. Doch statt dokumentarisch zu bleiben, transformiert sie diese Klänge zu dichten Soundscapes, in denen sich Synthesizerflächen, orgelartige Akkorde und behutsam gesetzte Klaviermotive verweben. „Where We Began“ eröffnet das Album mit einer Mischung aus Weite und Verletzlichkeit, während „Parthenon“ eine ehrfürchtige Klangarchitektur entfaltet, die beinahe sakral wirkt.
„The Lion Gate“ steigert sich in Schichten aus drängenden Drones, die zugleich bedrohlich und vital klingen, bevor „Bells of Athena“ das sakrale Motiv in eine fragile Balance von Unruhe und Harmonie trägt. Dass Lawrence English das Album gemastert hat, ist kein Zufall: Beide verbindet das Interesse an der Materialität von Klang, an Texturen, die sich zwischen Lärm und Schönheit bewegen. Der gemeinsame Blick zeigt sich auch im Albumcover: ein körnig verfremdetes Stadtpanorama, in monochromem Blau getaucht. Es ist die visuelle Übersetzung der Musik – Erinnerung, die verschwimmt, doch nicht vergeht, Vergangenheit, die im Jetzt neue Formen annimmt.
Cocolas selbst sagt: „These sounds represent moments in time. They connect the past with the present and tether memories to place.“ Genau hier liegt die Stärke von „Syndesis“: in der Fähigkeit, persönliche Erinnerung nicht hermetisch einzuschließen, sondern in ein Geflecht von Atmosphären zu überführen, das jede Hörerin für sich selbst neu entschlüsseln kann.
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