Eine sterile Abrechnung voller Bitterkeit und zersplitterter Identitäten: LIZZO verliert sich auf ihrem neuen Album BITCH in einem unentschlossenen Stilmix ohne echte emotionale Substanz.
Eine mühsam unterdrückte Bitterkeit legt sich wie ein grauer Schleier über dieses Werk, das eigentlich ein Befreiungsschlag sein sollte. Anstatt die gewohnte, oft als unerschütterlich inszenierte Euphorie vergangener Tage zu reaktivieren, dominiert eine kühle Reizbarkeit die Szenerie. Lizzo wählt für ihre fünfte Veröffentlichung eine Haltung der permanenten, defensiven Rechtfertigung, die sich durch fast jede Zeile zieht und die musikalische Leichtigkeit konsequent erdrückt. Diese Verbitterung fungiert als ästhetische Strategie, die das Album weniger als künstlerische Weiterentwicklung, sondern vielmehr als eine kalkulierte, bisweilen trotzige Reaktion auf den spürbaren Gegenwind der letzten Jahre erscheinen lässt.
Visuell verdichtet sich diese programmatische Zerrissenheit auf dem Cover, das eine radikale Abkehr von herkömmlichen Posen weiblicher Pop-Macht markiert. Die krasse Disproportionalität zwischen der riesigen, den Mittelfinger streckenden Hand und der winzigen, fast verloren wirkenden Gestalt darauf problematisiert das Verhältnis von monumentaler Inszenierung und innerer Isolation. Diese visuelle Behauptung von trotziger Souveränität bricht sich im Gehörten, wo die offensive Pose permanent von einer ungelenken, verunsicherten Suche nach Anerkennung unterwandert wird.
Das musikalische Gewand folgt dieser konzeptionellen Zerrissenheit in einer Weise, die das Album strukturell fragmentiert. Anstatt einen kohärenten roten Faden zu spinnen, pendelt die Produktion unentschlossen zwischen verschiedenen Epochen und Stilen, was der Platte den Charakter einer unfertigen Anthologie verleiht. In „She Stole My Man“ flüchtet sich die Komposition in einen unterkühlten New-Wave-Rock mit Gitarrenspuren im Stile von The Cure, der merkwürdig blutleer bleibt. Noch deutlicher wird dieses Problem im Titelsong „BITCH“, der den bekannten Grunge-Refrain von Meredith Brooks aus dem Jahr 1997 aufgreift, ihn aber in ein glattes, kraftloses R&B-Korsett zwängt und damit jeglicher Reibungsfläche beraubt. Wenn die Rhythmen in „Sexy Ladies“ über ein Go-go-Sample der Formation UCB wieder härter in den Vordergrund rücken, wirkt das wie ein verzweifelter Rückgriff auf alte Erfolgsformeln, der die klaffenden Lücken im aktuellen Konzept nur mühsam kaschiert.
Besonders greifbar wird das Scheitern dieser strategischen Neuausrichtung in den Texten, die den Umgang mit eigenen Verletzungen und Enttäuschungen verhandeln. Wo früher hymnische Selbstliebe stand, regiert nun ein unstrukturiertes Nachtreten, das analytische Schärfe vermissen lässt. Im Opener „A Toast“ formuliert sich dieser Zwiespalt in Zeilen wie „I hope it makes you happy to hurt somebody else / And when you lose it all / I hope you find yourself“, was anstelle von souveräner Reflexion lediglich eine tiefe, ungelöste Kränkung transportiert. Auch die collagenhaft eingestreuten Phrasen über psychische Belastungen in „Happy 2 Be“, wo ein Zusammenbruch in Houston Erwähnung findet, verpuffen wirkungslos, weil das umgebende, saccharinsüße Pop-Arrangement die Schwere des Themas sofort wieder neutralisiert.
Selbst das scheinbar empowernde Stück „That GRRRL“ verliert seine Durchschlagskraft, da die Chants im Refrain wie eine Pflichtübung wirken, während der einzig bemerkenswerte, gesprochene Teil über die spezifischen Hürden als Schwarze, mehrgewichtige Frau im Gesamtkontext völlig isoliert dasteht. Am Ende hinterlässt diese Aneinanderreihung von Unvereinbarkeiten den Eindruck einer Künstlerin, die im Versuch, sich gegen alle Widerstände neu zu erfinden, ihre eigene musikalische Identität eingebüßt hat.
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