LEILA BORDREUIL & KALI MALONE Music For Intersecting Planes
LEILA BORDREUIL und KALI MALONE entwerfen auf ihrem gemeinsamen Album eine sakrale Klangwelt voller reduzierter Intensität. Die Cellistin und die Organistin nutzen die Akustik einer Schweizer Kirche für meditative Drones, die zwischen archaischer Strenge und moderner Experimentierfreude oszillieren.
Das Geräusch einströmender Luft in die Pfeifen der Orgel markiert hier nicht den Beginn eines Tons, sondern stellt bereits den eigentlichen musikalischen Körper dar. Es ist ein physischer Vorgang, ein mechanisches Keuchen, das Kali Malone in den Mittelpunkt ihrer kompositorischen Anordnung rückt. Wo frühere Arbeiten der US-Amerikanerin oft durch eine mathematische Unerbittlichkeit bestachen, lässt sie in dieser Kollaboration den kontrollierten Kollaps zu. Die Töne halten nicht mehr starr ihre Position, sondern flackern und brechen, sobald der Luftstrom in den Registern der Liardon/Felsberg-Orgel bewusst gedrosselt wird.
Dieses Moment der Instabilität korrespondiert mit der Textur des Albumcovers von Magnus Maxime. Die grobe, fast narbige Oberfläche des zentralen Kreuzes wirkt wie eine topographische Karte aus gepresster Materie, die über einem strengen, kleinteiligen Schachbrettmuster liegt. Es visualisiert exakt jene Reibung, die das Album bestimmt: Die mathematische Ordnung der Stimmungssysteme trifft auf die unvorhersehbare Granularität des Materials. Das Visuelle verdeutlicht, dass Leila Bordreuil und Kali Malone keine glatten Flächen suchen, sondern die Erosion des Klangs im Raum.
Leila Bordreuil agiert dabei als subversive Kraft, die das cello-typische Melos konsequent verweigert. Ihre Saitenarbeit ist eine Untersuchung von Reibungswiderständen und Rückkopplungsschleifen, die sich wie feine Risse durch die massiven Orgel-Fundamente ziehen. In “Intersecting Planes I” dehnen die Musikerinnen die Zeitspanne zwischen Inhalation und Exhalation so weit aus, dass die Stille zur Last wird. Jedes Knacken einer Kirchenbank und jedes ferne Rollen eines Fahrzeugs außerhalb des Temple Saint-Théodule wird in die Partitur aufgenommen, wodurch die Grenze zwischen Komposition und Umweltrauschen kollabiert.
Die strukturelle Entscheidung für Live-Aufnahmen in Einzelsitzungen verleiht den Stücken eine raue Unmittelbarkeit, die besonders in “Pilots In The Night” spürbar wird. Hier schichten sich tieffrequente Sinuswellen und Cello-Feedback zu einem dichten Gewebe auf, das die sakrale Aura des Aufnahmeortes eher seziert als zelebriert. Es geht nicht um die Errichtung eines Denkmals, sondern um die Dokumentation eines energetischen Austauschs unter extremen akustischen Bedingungen. Der abschließende “Endless Dance of Eternal Joy” wirkt in seiner Kürze und den gezupften Saiten fast wie eine Rückkehr in die stoffliche Welt, ein kurzes Aufatmen nach einer Phase tiefster Konzentration.
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