LED ZEPPELIN In Through the Out Door
LED ZEPPELIN öffnen auf IN THROUGH THE OUT DOOR neue Räume zwischen elektronischer Weite, Suchbewegung und verwundbarer Intensität.
Ein tastender Schritt in einen beleuchteten Innenraum eröffnet diese Veröffentlichung, ein Raum mit unsicheren Konturen, die erst allmählich fester werden. Auf dem Cover – eine barartige Szene, sepiafarben, von schräg einfallendem Licht durchzogen – sitzt ein Mann über einen Brief gebeugt, als ginge es darum, Erinnerung in Rauch aufzulösen. Diese Haltung eines Fragilen, gepaart mit der dumpfen Enge des Raums, lässt eine Erwartung entstehen, die sich bereits in den ersten Takten von „In the Evening“ erhärtet: ein verschachtelter, drängender Aufbau, dessen Intro wie ein ferngesteuerter Ruf aus einer metallenen Tiefe wirkt. Sobald die Band einsetzt, zeigt sich die neue innerbandliche Tektonik. Jones legt breite Keyboardflächen, Page antwortet mit präzisen, beinahe minimal gesetzten Gitarrenfiguren, Bonham hält das rhythmische Fundament elastisch, doch weniger massiv als früher. Plant’s Stimme trägt Beschwörung, Heiserkeit, eine Verletzbarkeit, die sich aus seiner jüngsten Biografie nicht lösen lässt.
„South Bound Saurez“ löst den düsteren Sog in flirrende Beweglichkeit auf. Das Klavier tänzelt, die Rhythmik federt, als suchte die Band nach einem leichteren Schritt, ohne die drängende Grundspannung völlig zu verlieren. „Fool in the Rain“ entfaltet sich als labyrinthische Konstruktion: ein Wechselspiel aus synkopierten Figuren, einer inneren Nervosität, die sich erst spät öffnet und dann in eine fast übermütige Mittelpassage kippt, bevor sie sich wieder fängt. Die Band verhandelt darin ihr Verhältnis zwischen disziplinierter Studiostruktur und ungezähmter Spiellust. „Hot Dog“ wirkt wie ein kurzer Seitenweg: ein trockener, rockabillyhaft scharf umrissener Song, dessen Ironie klar hörbar bleibt. Die prägende Suchbewegung setzt sich jedoch in „Carouselambra“ fort. Hier dominiert erneut Jones, dessen Synthesizer ganze Zonen aufspannt, die sich schichtweise öffnen. Page bleibt zurückhaltend, fast schematisch, während Bonham flexible rhythmische Klammern setzt.
Plant’s Stimme erscheint weiter nach hinten gemischt und gewinnt dadurch einen geisterhaften Ton, als ertöne sie aus einem Nebenraum. Die Band wirkt darin zugleich entschlossen und entgleitend, als rücke sie die Zukunft ihres Klangs tastend zurecht. „All My Love“ schreibt eine wehmütige Offenheit in den Raum. Der Gesang bricht an manchen Stellen in ein Flackern, das mehr zeigt als jede stimmliche Kraftgeste. Die Melodielinie bewegt sich vorsichtig, fast tastend, und die Keyboards spinnen ein Netz aus feinen Harmonieschichtungen. „I’m Gonna Crawl“ beendet die Platte mit gedämpfter Introspektion: ein zurückgenommenes Zusammenspiel, in dem Gitarre und Keyboard wie zwei Stimmen einer einzigen, fragilen Tonspur wirken. Plant’s Gesang schwankt zwischen Seufzen und Anklage, Bonham bleibt in kontrollierter Ruhe.
So entsteht ein Spannungsverhältnis, das diese Langspielplatte prägt: elektronische Öffnung, Restblues, funkartige Bewegungen, strukturelle Strenge, eine Band am Rand einer Neuorientierung.
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